Zur Geschichte des Ochsenpferchbunkers

Der Ochsenpferchbunker ist der größte Hochbunker Mannheims. Er liegt an der Ecke Bürgermeister-Fuchs-Straße/ Helmholtzstraße, direkt am Brückenkopf zur Jungbuschbrücke. Er wurde 1940 – 43 erbaut und erinnerte damals mit seinen beiden wuchtigen Ecktürmen an eine mittelalterliche Wehranlage.

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Der Bunker 1944. Hier sieht man deulich die beiden Türme. Foto: StadtA MA – ISG

Zum Namen Ochsenpferchbunker kam es, weil bereits im 20. Jahrhundert der traditionelle Name des Gewanns Ochsenpferch (Pferch = Gehege) für Gebäude verwendet wird, die diesen Teil der Neckarstadt prägen, z.B. das Pumpwerk Ochsenpferch, das nicht weit vom Bunker entfernt liegt. Er wurde auch auch als „Bunker an der Hindenburg-Brücke“ oder „Bunker Bürgermeister-Fuchs-Straße“ bezeichnet.

Blick vom Dach in die Bürgermeister-Fuchs-Straße und über die NEckarstadt-West. Foto: StadtA MA - ISG

Blick vom Dach in die Bürgermeister-Fuchs-Straße und über die Neckarstadt-West.
Foto: StadtA MA – ISG

Der Bunker hat eine Grundfläche von 6.100 Quadratmetern. Es gibt einen Keller, ein Erdgeschoss und vier Stockwerke. Die Wanddicke beträgt 1,10 m und die Deckenstärke 1,40 m. Planmäßig war eine Belegung mit 3.412 Menschen vorgesehen (1.000 Liege- und doppelt so viele Sitzplätze), im Notfall konnten sogar 7.500 Menschen Schutz darin finden.

Rohbau Ochsenpferchbunker 1949

Rohbau Ochsenpferchbunker ca. 1942. Foto: StadtA MA – ISG

Ende 1940 begann der Aushub der Baugrube, der Rohbau dauerte von April 1941 bis Januar 1943. Als die Neckarstadt Mannheim bei dem Luftangriff vom 9./10. Mai 1941 die ersten Zerstörungen erlebte, stand der Bunker noch nicht zur Verfügung und die Bewohner mussten in privaten Luftschutzräumen und anderen öffentlichen Luftschutzbunkern Schutz suchen.
Der Bunker wurde mehrfach getroffen: In der Nacht vom 23. Auf den 24. September 1943 wurde der östliche Treppenturm beschädigt.  Auch die Luftangriffe am 26. August 1944 haben ihn nicht ernsthaft beschädigt.

Bei Kriegsende waren nur noch knapp 1/6 (15.000 von ca. 87.000) der Wohnungen in Mannheim unbeschädigt. Wohnraum war daher rar. Nachdem der Bunker bis Mai 1946 von den Amerikanern besetzt gehalten und zunächst als Gefangenenlager, dann als Unterkunft für deutschen Bediensteten genutzt wurde, zogen nach und nach Rückkehrer aus Krieg und Evakuierung ein.

1950 gehen die gesamten Bunker in Mannheim einschließlich ihrer technischen Einrichtungen in die Verwaltung der sog. Betreuungsstelle gGmbH über, die ab nun für die Vermietung und Instandhaltung auch der 536 Zellen im Ochsenpferchbunker zuständig ist. Im November 1954 werden die im Bunker lebenden Familien in neuerrichtete Wohnungen umquartiert, danach wohnen dort noch einige Ehepaare und alleinstehende Männer. Erst 1966 ziehen auch die letzten Bunkerbewohner aus. (Wir werden über die Zeit des Wohnens im Bunker noch berichten.)

Ochsenpferchbunker 1982

Der Bunker 1982, mit neuem Anstrich. Foto: StadtA MA – ISG

Während des Kalten Krieges wurde der Bunker, der der Bundesrepublik gehörte, für den Notfall als Atomschutzbunker bereitgehalten (sogenannter Zehn-Stunden-Bunker). Der Umbau dazu war allerdings erst 1981 abgeschlossen. Dafür wurden die Zellenwände entfernt und u.a. ein Vorbau errichtet, der sich heute noch bis zum zweiten OG erstreckt. Dieser Vorbau wurde, für die Luftfilteranlage, mit Sand gefüllt. Der Bunker sollte zusammen mit dem Bunker in Wohlgelegen der Evakuierung des städtischen Klinikums dienen.

2010/11, lange Jahre nach dem Ende des Kalten Kriegs, wird er vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe entwidmet und für die zivile Nutzung freigegeben. Der Bund schenkt ihn an die Stadt, wie zahlreiche andere Bunker im Stadtgebiet. Und eine lange Diskussion um unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten beginnt.

Seit 2008 dient der Ochenpferchbunker als Außendepot des Stadtarchivs, vorwiegend für Bestände, die bereits digitalisiert sind und deshalb nicht mehr im Original vorgelegt werden müssen.

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Blick in das Archiv im Ochsenpferchbunker. Foto: StadtA MA – ISG

Quellen:
Stadtarchiv Mannheim – ISG, ZGS S 2/2999 Ochsenpferchbunker
Andreas Schenk, Mannheim und seine Bauten 1907–2007, Band 4, Mannheim 2004, S. 124ff.

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