Zur Filmpremiere: Das ist meine Meinung …

Am Samstagnachmittag wurde der Zeitzeugen-Film mit ihren „Erinnerungen an den Hochbunker in der Neckarstadt“ den Freunden des Stadtarchivs Mannheim e.V. im Cineplex Mannheim vorgestellt.

Wir wollten einmal wissen, wie ein Jugendlicher so einen Film wahrnimmt. Hier ein direkter, unverfälschter Bericht ….

Mein Name ist Felix Warak. Ich bin 14 Jahre alt und lebe in Mannheim. Meine Mutter hat Geschichte studiert und mich deshalb schon früh über die Wirren und Gräueltaten der Weltkriege aufgeklärt.

Meine Mutter betreibt diesen Blog und sie hat mir schon oft angeboten hier ein Artikel zu schreiben: Wie ein Teenager fühlt wenn er einen Bunker betritt, oder was er denkt, wenn er Zeitzeugen erzählen hört, was sie als Kinder in meinen Alter in der Zeit des Dritten Reichs erlebt haben.

„Was denkst du darüber, wie ist dein Eindruck vom Film und überhaupt?“ fragt meine Mutter, als wir den Kinosaal im Cineplex nach der Premierenvorführung des Filmes Erinnerungen an den Hochbunker in der Neckarstadt mit Zeitzeugen verlassen.

Ich mache mir über viele Dinge Gedanken. Ich lese jeden Tag Zeitung und schaue die Nachrichten. Ich habe eine eigene Meinung über die AfD oder den IS.

Meine Mutter aber schaut mich fragend an und erwartet wahrscheinlich eine Antwort wie: „Das war schon schlimm“ oder „dieser Film macht nachdenklich“…. Dieser Film macht auch nachdenklich, aber ich weiß nicht, was ich antworten soll.

Ich habe auch lange keine Ahnung, was ich in diesem Artikel schreiben soll. Ich habe mir den Film genau angeschaut. Aber während meine Mutter sich heimlich die Tränen abwischt, als eine Zeitzeugin erzählt, wie sie die Kinderleichen sah, die vor dem Bunker in den letzten Kriegstagen durch den Artilleriebeschuss der Amerikaner  getötet wurden – wie Playmobil-Figuren durch aggressive Dreijährige, denke ich darüber nach wie es wohl wäre, wenn ich als betagter alter Mann eine Annonce in der Zeitung lesen würde, die Zeitzeugen dieser Ereignisse suchen um über ihre Bunkererlebnisse zu reden.

Würde ich mich freuen, dass jemand meine Geschichten hören will nach so langer Zeit. Würde es meine Seele erleichtern? Würde ich auch weinen beim Erzählen?

Der Film hat mir gefallen. Klar, ist das kein typischer Kino-Film. Und es war schon etwas ungewöhnlich, dass er in einem Kino Premiere hat, wo ansonsten Action-Filme wie ‚Captain America‘ laufen. Und ob er je einen Filmpreis bekommt? Aber das soll er auch nicht. Ein Stadtarchiv  zieht aus dem Collini-Center (typisches Mannheimer Gebäude für die 70er Jahre) in den Ochsenpferchbunker  – auch ein typisches Mannheimer Gebäude für eine bestimmte Zeitgeschichte. Es gibt einen Blog, um über Umzug und Hintergrundinformationen zu informieren – auch das ist eine tolle Idee.

Aber was mir nicht gefällt, dass dieser Film nun nicht mehr öffentlich zu sehen ist. Ulrich Niess, der Leiter des Stadtarchives, meinte, man werde die DVDs an die Mannheimer Medienstelle verschenken. Aber wie sollen denn Jugendliche meines Alters an diese wichtigen Informationen über eine schlimme Zeit herankommen, wenn nur ‚erwachsene‘ Presse und das ein Publikum mit einem sehr hohen Altersdurchschnitt anwesend ist?

Der Film läuft ja nicht im Kino unter breitem Publikum. Meiner Meinung sind diese Zeitzeugen die Menschen,  die viel dazu beitragen können zu sozialen und politischen Fragen dieser Stadt und dieses Landes, und dass eben aufgeklärt wird über den Zweiten Weltkrieg. Und das sich eben nicht jeder aufregt, wenn jemand mal eben ein Witz über Adolf Hitler macht. Genau das meinte wohl die Zeitzeugin Elfriede Eisenbeiser, als sie an die Gelassenheit appellierte. Denn mal ganz ehrlich, ich wette, dass die DVDs höchstens von ein paar „Geschichtsprofessoren“ ausgeliehen werden.

Das ist meine Meinung und vermutlich wird sie kaum jemand teilen: Aber meine Mutter hat ja gesagt, ich soll ehrlich sein!

Kommentare

  1. Da gebe ich Felix recht: Dass DVDs bei der Mannheimer Medienstelle zu entleihen sind, ist eine interessante Info. Die Frage wie Jugendliche seines Alters an diese wichtige Information herankommen, hat das Stadtarchiv sicherlich in seiner PR berücksichtigt (!).

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