Stehen geblieben in der Zeit

In Sandhofen gibt es einen steinernen Zeitzeugen: Einen Hochbunker, gebaut gegen Ende des Zweiten Weltkrieges, der gleich auf zweifache Weise in der die Zeit stehen geblieben ist.

Der Hochbunker in der Birnbaumstraße wurde 1944 erbaut und geriet nach dem Krieg schnell in Vergessenheit – jahrzehntelang wurde er nicht genutzt und im Stadtarchiv findet man nur schwierig Informationen zu diesem Bunker.

Eine Akte entstammt dem Grünflächenamt und ist in den späten 70er Jahren angelegt worden. Hierin geht es um die Außenbegrünung und mögliche Schönheitskorrekturen der Fassade, da die hier hervorstehenden Moniereisen „wirklich hässlich“ seien.

Der Bunker von aussen. Foto: Julia Friedrich

Der Bunker von aussen. Foto: Julia Friedrich

An der Außenfassade hat sich seitdem recht wenig geändert, doch der Bunker ist der Nutzlosigkeit entkommen und dient heute als Zuhause für das zeitgeschichtliche Museum Mannheim (ZGMA).

Initiiert von Dirk Schulz wurde 2011 eine Ausstellung eröffnet, die sich mit der Luftfahrt und Militärgeschichte der Stadt Mannheim beschäftigt. Gezeigt werden Artefakte und Informationen von der Zeit des 1. Weltkrieges bis zur amerikanischen Besatzung nach dem 2. Weltkrieg.

Wie wird aus einem Bunker ein Museum?

Dirk Schulz hatte schon länger die Idee, sein Wissen über die Geschichte Mannheims Anfang des 20. Jahrhunderts, dass er bereits in zwei Büchern verschriftlicht hat, in eine Ausstellung einfließen zu lassen und arbeitete hierbei eng mit dem Heimatmuseum Sandhofen Mannheim zusammen. Der Verein des Heimatmuseums ist der offizielle Träger des ZGMA und auch einige Ausstellungsstücke sind Leihgaben des Museums. Nachdem die Stadt eingewilligt hatte den Bunker zur Verfügung zu stellen, erfolgte der Innenausbau in Eigenregie.

Zur Erinnerung: Ein Bunker hat keine Fenster und die dicken Wände halten jegliche Wärme von draußen ab, sodass das größte Projekt die Stromversorgung betraf. Viele Vitrinen oder Ausstellungsstücke sind zusätzlich zur allgemeinen Beleuchtung einzeln angestrahlt, dies bedurfte Anschlüssen, die erst geschaffen werden mussten.

Blick in die Ausstellung. Foto: ZGMA

Blick in die Ausstellung. Foto: ZGMA

In Eigenregie zum kleinen Museum? – Nicht ganz

Das Museum ist zweimal im Monat geöffnet, alle „Mitarbeiter“ (also Dirk Schulz und enge Freunde die aushelfen) üben diese Tätigkeit ehrenamtlich aus und müssen die Instandhaltung und Öffnung des Museums in ihre Freizeit eingliedern.

Für den Museumsbesuch wird ein Eintritt von 4 Euro verlangt; diese Einnahmen decken allerdings nicht den monatlichen Unterhalt von ca. 1.200€, sodass sich das Museum zu einem großen Teil von Spenden finanziert und dadurch selbst trägt. Die Stadt erhebt keine Miete für die Nutzung, Strom- und Wasserkosten müssen jedoch selbst gezahlt werden. Außerdem steckt sehr viel Eigeninitiative in den Ausstellungsstücken, die Dirk Schulz sowohl auf Versteigerungen und Flohmärkten als auch in Kellern und auf Dachböden zusammengetragen hat. Die Vitrinen, die sowohl persönliche Fotos als auch Orden aus der NS-Zeit enthalten, sind teilweise Marke Eigenbau, teilweise käuflich erworben.

Auch die Geschichte der Amerikaner in Sandhofen sind Thema im ZGMA. Foto: ZGMA

Auch die Geschichte der US-Amerikaner in Sandhofen sind Thema im ZGMA. Foto: ZGMA

„Ich möcht´ das den Leuten hier vermitteln“

Schulz sieht das Museum als sein Vermächtnis, seinen Beitrag an die Gesellschaft – die durchaus positiv auf die heutige Nutzung des ehemaligen Luftschutzbunkers reagiert, wie er weiter ausführt. Während meines Aufenthaltes ist noch eine weitere Besucherin im Museum: Eine 80-jährige Zeitzeugin, die begeistert auf die linke Seite der Quadrate innerhalb der Karte Mannheims zeigt, auf der die Schutzbunker des Zweiten Weltkrieges abgebildet sind „Da hab ich gewohnt“.

So wie sie sind die Besucher oft Menschen, die einen persönlichen Bezug zu Mannheim während des Ersten oder Zweiten Weltkrieges haben, sei es durch Verwandte oder eigene Erfahrungen. „Wir hatten auch schon einmal einen Amerikaner hier“, berichtet Schulz weiter. Dessen Vater sei als Mitglied der US Kräfte in die zerstörte Stadt gekommen und sein Sohn wollte diesen Ort und die Stadt, die sein Vater antraf, selbst sehen.

Außerdem gibt es Schulklassen, die die Ausstellung besuchen und in die Vergangenheit eintauchen können. So werden mithilfe eines umgebauten Volksempfängers, der mit einem Handy oder Ähnlichem verbunden werden kann, Lieder und Radiodurchsagen wie sie vor 80 Jahren üblich waren wiedergegeben.

Initiator und Macher des Museums: Dirk Schulz. Foto: ZGMA

Initiator und Macher des Museums: Dirk Schulz. Foto: ZGMA

Ich persönlich war fasziniert von dem „Herzblut“ mit dem die Beteiligten die Ausstellung aufgebaut haben und ständig erweitern. Seit Januar dieses Jahres hat die Ausstellung nun zwei Etagen zur Verfügung, sodass nun auch Veranstaltungen, wie z.B. Lesungen hier abgehalten werden können.

Der Bunker ist also sowohl durch sein Gehäuse als auch durch sein Innenleben fest mit der Geschichte verbunden und bietet den Museumsbesuchern einen Einblick in „seine Zeit“, die mit der Flak im „Vorgarten“ und der aus Hawaii importierten SS-Uniform leicht nachempfunden werden können.

Hier gibt es weitere Informationen zum Museum.

 

 

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