Bunker und Kunst

Bunkerbauten als ästhetischen Anreiz für künstlerische Auseinandersetzung – auch das gibt es im Umfeld der grauen Kolosse. Wir haben uns auf Recherche zum Thema Kunst und Bunker begeben und Erstaunliches entdeckt. Wir werden in loser Folge berichten.

Wir beginnen mit einer Ausstellung, bei der sich 2006/2009 in Marburg und Bad Wildungen Künstler/innen mit dem Thema „Bunker“ kritisch auseinandergesetzt haben.

Die Wahrnehmung und die Emotionalität der Bunkerarchitektur „ zwischen lautlosem Versinken und aggressiver Präsenz“,  waren unter anderem für Dr. Harald Kimpel, den Macher der beiden Ausstellungen, der Anstoß – und natürlich  die Auseinandersetzung verschiedener Künstler/innen, mit der Thematik der Bunker.

Aus der Serie Atlantic Wall 1995. Foto: Magdalena Jetelova

Aus der Serie Atlantic Wall 1995. Foto: Magdalena Jetelova

Dr. Kimpel: „Die Ausstellungen wollten die Vielfalt der Medien, Methoden und Ansätze dokumentieren, die bei der künstlerische Kommentierung zum Einsatz kommen“. Denn, so schreibt er es auch im Katalog: “ Die bildende Kunst habe eine gesellschaftliche Verantwortung, nimmt diese wahr und widmet sich der Verarbeitung dieser Restposten der Vergangenheit oder präziser: der „unbewältigten Vergangenheit“.

Dies dokumentierten die Künstler und Künstlerinnen  in der Marburger Ausstellung 2006 und noch deutlicher wurde dies in der zweiten Ausstellung 2009 in Bad Wildungen.

Bad Wildungen, muss man wissen, war während der Zeit des zweiten Weltkrieges als Hauptquartier ausersehen für den Krieg an der Westfront. Die kleine Stadt mit heute knapp 17.000 Einwohnern, hat mehr als zehn Bunker – ein sehr geeigneter Ort für eine Ausstellung zur Bunker-Ästhetik.

Zu sehen waren Arbeiten von 14 Künstler/innen, mit unterschiedlichsten Medien zur Umsetzung der Thematik. Fotografien, Lichtprojektionen, Malereien bis hin zu Installationen.

Zwei der Künstler/innen und ihre Arbeiten, stellen wir hier vor.

Peter Jacobi, geboren 1935, ist seit mehr als 60 Jahren als Künstler tätig. Die Bunker in Mannheim und Ludwigshafen, sowie im Pfälzer Wald haben ihn schon in den 1980er Jahren fasziniert.

Stadtbunker in Ludwigshafen, 1982. Foto: Peter Jacobi

Stadtbunker in Ludwigshafen, 1982. Foto: Peter Jacobi

In der Ausstellung von 2009 zeigte er unter anderem die Schwarzweißfotografien „Stadtbunker in Ludwigshafen“ und „Gesprengter Bunker im Pfälzer Wald, Westwall“.

Für Jacobi spielt die Frage, wie man die Bunker wahrnimmt, eine große Rolle. Wird dabei das Umfeld zur Sehgewohnheit? Was passiert, wenn der Fokus auf dem Foto auf das »übersehene« Objekt geleitet wird?  Kimpel beschreibt Jakobis Fotos im Katalog als „nachträgliche Eroberung der Bunker. Sie zeigen die „parallele Vereinnahmung durch die Natur und die Gesellschaft … ihre Zermürbung durch Zeit und Zeitgeist.“

Gesprengter Bunker im Pfälzerwald, Westwall 1982. Foto: Peter Jacobi

Gesprengter Bunker im Pfälzerwald, Westwall 1982. Foto: Peter Jacobi

Magdalena Jetelová, geboren 1946, ist eine tschechische Bildhauerin und Fotografin.

Mit einer Laser-Installation widmete sie sich bereits 1995 den Atlantikwall-Resten an der Jütländischen Küste Dänemarks.

Die maroden Oberflächen der zum Teil im Sand und Meer versunkenen Bunkeranlagen, wurden für sie zur Trägerschicht, auf die sie Sätze und Aussagen zur Auseinandersetzungen mit Bunker, Krieg und dem Dritten Reich projiezierte. Zum Beispiel: „Absolute War Becomes Theatrality“ –  ein Satz aus Paul Virilio philosophischen Essays seines Buches ‚Bunkerarchäologie‘, in dem er sich mit dem von den Nationalsozialisten erbauten Atlantikwall an der französischen Atlantikküsten auseinander setzt.

Jetelová in einem Interview zu ihren Laser-Installationen: „Die Bunker heute stehen machtlos und schief im Meer wie die machtlose Politik der Gewalt gegenüber. Mich hat die tägliche Veränderung der Realität, das Desaster in der Zeitlupe und die Qual des Erinnerns interessiert.“

Aus der Serie Atlantic Wall 1995. Foto: Magdalena Jetelova

Aus der Serie Atlantic Wall 1995. Foto: Magdalena Jetelova

Dass aus diesen ein künstlerisches Projekt mit gesellschaftskritischem Ansatz resultiert, bestimmt sich als logisch. »Übersehen« oder »Ausgeblendet« werden diese Fragmente, welche förmlich aus dem Sand sprießen, nicht. Als Kolosse menschlicher Handlung bleiben sie bestehen, bis sie letztlich vergehen.

Wir danken Dr. Kimpel, Peter Jacobi  und Magdalena Jetelová für die Überlassung der Fotos und der Unterstützung zu diesem Artikel.

Zu den Ausstellungen gab es auch Kataloge: 2006 einen Begleitband des Marburger Kunstverein und 2009, in Bad Wildungen, einen Begleitband im Jonas Verlag.

 

 

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