In den Keller oder nicht? Alltag im Luftschutzkeller

Von eingeweckten Früchten und Gasmasken: Im Neckarauer Heimatmuseum werden die Schrecken des Bombenkrieges nachfühlbar. Die Besucher können dort einen alten ausgestatteten Luftschutzkeller besuchen.

Das Schild zeigt den Weg in den Sutzraum. Foto: Leon Igel

Das Schild zeigt den Weg in den Schutzraum. Foto: Leon Igel

Der monotone Lärm einer Sirene hallt durch das alte Neckarauer Rathaus. Eine kleine Gruppe begibt sich langsam in den kalten Keller. An der Wand am Fuße der Treppe hängt ein Schild: Sammel-Schutzraum. Heute ist es nur eine Museumsführung, die den Luftschutzkeller betritt. In Zeiten des Zweiten Weltkrieges harrten hier Menschen nächtelang aus Todesangst aus. Ein beklemmender Gedanke.

Die obligatorische Gasmaske. Foto: Leon Igel

Die obligatorische Gasmaske. Foto: Leon Igel

Der erste Vorsitzende des Vereins „Geschichte Alt-Neckarau e.V.“ Wolfgang Reinhard trennt die Luftschutzsirene im Keller vom Strom: „Die Sirene steht hier nur zur Demonstration. Früher befand sie sich auf dem Dach des Rathauses.“ Die kleine Gruppe aus zehn Leuten schweigt, wenn Reinhard spricht.

Er spricht von Stabphosphor-Bomben, die bis in die Keller gelangten und erst dort detonierten. Er spricht von 64 Toten, die in der Nacht vom 9. auf den 10. August 1943 bei einem Fliegerangriff in Mannheim umkamen. Und er spricht von diesem Luftschutzkeller. „Bis zu 25 Leute suchten hier Schutz: Menschen aus dem Rathaus mit seinen vier Wohnungen und aus den benachbarten Häusern.“ Ein einengender Gedanke. Schon mit der kleinen Gruppe der Führung scheint der Keller voll zu sein.

Brennende Rheingoldstraße

„Gehen wir in den Keller oder nicht? Werfen die Flugzeuge Bomben ab oder nicht? Das wusste man nie. Ich habe die Angst meiner Mutter heute noch in Erinnerung „, erzählt der 75-jährige Norbert Staab, der 2. Vorsitzende des Vereins. Seine Familie suchte damals im eigenen Keller oder in den Hochbunkern in Neckarau Schutz vor den Bombenangriffen. „Ich war damals ein Kleinkind, aber ich sehe die brennende Rheingoldstraße noch vor mir. Als Kind habe ich mich immer gefragt, wieso die Rheingoldstraße gebrannt hat. Heute weiß ich: Das waren die Phosphor-Bomben.“ Zwischen Stahltüren und kaltem Mauerwerk schaffen diese Aussagen Beeindruckendes: Echte Bedrückung. Angst und Schrecken werden authentisch.

Ob man trotz Wärmflasche angenehme Träume hatte? Foto: Leon Igel

Ob man trotz Wärmflasche angenehme Träume hatte? Foto: Leon Igel

Das Vereinsteam, das sich um das kleine Heimatmuseum kümmert, tut alles daran, Geschichte so authentisch wie möglich darzustellen. Der kleine Luftschutzkeller ist voll ausgestattet. Als wäre er gewappnet für einen Bombenangriff. An den Wänden hängen Gasmasken, die Federkissen der wenigen Betten sind aufgeschüttelt und im Vorratsregal befinden sich eingeweckte Früchte. Große stählerne Türen hängen in ihren Angeln und bleiben glücklicherweise geöffnet.

Nie wieder Krieg

Erleichtertes Aufatmen bei vielen, als die kleine Gruppe den Luftschutzkeller verlässt. Vielleicht fünfzehn Minuten dauerte der Aufenthalt dort, doch das ist schwer zu sagen, denn manchmal vergeht die Zeit langsamer als man denkt. Unvorstellbar, eine ganze Nacht dort verbringen zu müssen. „Es ist wichtig, dass der Krieg in Erinnerung bleibt. Erst wer davon erzählt bekommt, kann verstehen, wie schlimm solche Erlebnisse sind“, appelliert Staab wieder unter Tageslicht.

Das alte Rathaus Neckarau, das heute ein Mueseum ist. Foto: Leon Igel

Das alte Rathaus Neckarau, das heute ein Mueseum ist. Foto: Leon Igel

„Wir müssen alles tun, damit es nie wieder Krieg gibt!“, mahnt auch der erste Vorsitzende des Vereins Wolfgang Reinhard. Der Verein „Geschichte Alt-Neckarau e.V.“ leistet mit seinem kleinen Museum einen Beitrag dazu: Schrecken und Grauen des Krieges werden hier auf wenigen Quadratmetern Luftschutzkeller nachfühlbar. Voller Bedrückung verlässt man diesen.

Weitere Informationen zum Verein „Geschichte Alt-Neckarau“ und zum Museum finden Sie auf dessen Hompage.

 

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