Ideenwerkstatt 2: Ausgestaltung der Umgebung – die Fachvorträge

Im zweiten Teil der Veranstaltung ging es konkret um Impulse für neue Ideen zur Ausgestaltung der Umgebung des MARCHIVUMS.

Die Herausforderungen der Umgebung

Peter Schmucker von Schmucker + Partner stellte das Konzept für den Umbau vor. Foto: StadtA MA - ISG

Peter Schmucker von Schmucker + Partner stellte das Konzept für den Umbau vor. Foto: StadtA MA – ISG

Nachdem Peter Schmucker einige Projekte der Planungsfirma Schmucker+Partner und die bautechnischen Arbeiten am Ochsenpferchbunker in Kürze vorgestellt hatte, erläuterte Frau Scheurer vom Fachbereich Stadtplanung der Stadt Mannheim, was die Herausforderungen bei der Umgebungsgestaltung sind: Ein Gesamtkonzept für den Besucher- und Mitarbeiter-Parkplatz in der Bunsenstraße, den Weg von dort zum Eingang, die Gestaltung der Brückenwand, den Eingangsvorplatz sowie den von der Fröhlichstraße aus angrenzenden Platz ist erforderlich.

Dabei ergeben sich mehrere Probleme. Zunächst ist der Parkplatz bei der Anfahrt von der Jungbuschbrücke aus nicht zu sehen, da er tiefer als der Bunker liegt. Hat ein Besucher dann den Weg dorthin gefunden, ist es für ihn weiterhin schwierig, zum Eingang des MARCHIVUMS zu gelangen. Man muss durch eine Unterführung und um eine Ecke laufen, wobei die Treppenaufgänge an der Brücke die Menschen in die Irre führen könnten. Daraufhin muss noch die Helmholzstraße überquert werden. Auf dem Eingangsvorplatz möchte man noch weitere Parkplätze, z.B. für VIPs oder Anlieferer unterbringen.

Vor dem Gebäude stehen auch drei große Platanen, die unbedingt erhalten bleiben sollen, wie auch die dazugehörige Grünfläche. Foto: StadtA MA - ISG

Vor dem Gebäude stehen auch drei große Platanen, die unbedingt erhalten bleiben sollen, wie auch die dazugehörige Grünfläche. Foto: StadtA MA – ISG

Neben der Gestaltung der Weg-Führung besteht die zweite Herausforderung darin, dass, wie in den Diskussionen am Vormittag schon angesprochen wurde, der Stadtteil als ein problematischer gilt. Speziell in der Unterführung verspüren die Menschen mangelnde Sicherheit, darüber hinaus sei es dort dreckig und unästhetisch. Vandalismus und minderwertigem Graffiti ist vorzubeugen.

Für den Entwurf eines solchen Gesamtkonzepts werden drei verschiedene Planerteams, die im städtebaulichen Kreativwettbewerb gegeneinander antreten, beauftragt. Die Entwicklungsphase soll im September 2016 beginnen und der Abgabetermin für die Konzepte liegt im Dezember 2016. Die Ergebnisse und Erkenntnisse aus dem Symposium sollen dabei in die Auslobung mit einbezogen werden. Die am Wettbewerb teilnehmenden Firmen sind: Die Netzwerkarchitekten aus Darmstadt, das Büro Uebele aus Stuttgart und die iart ag aus Basel. Von letzteren beiden waren Referenten nach Mannheim gekommen, die die Schwerpunkte ihrer Arbeit anhand früherer Projekte vorstellten.

Verführen statt Führen – Ideen zum Orientierungssystem (büro uebele visuelle kommunikation, Stuutgart)

Der Architekt und Grafiker Prof. Andreas Uebele hat mit seinem vor 20 Jahren gegründeten Büro für Visuelle Kommunikation bereits über 300 Auszeichnungen erhalten, darunter den „Grand Prix“ des Red Dot Communication Design, einen der höchsten europäischen Designpreise und den Designpreis der Bundesrepublik Deutschland in Gold. Zu ihren Referenzen gehören renommierte Kunden wie z.B. die Firma Adidas oder die Bundesregierung, deren Corporate Design vom Büro Uebele entworfen wurde. Schwerpunkte der Agentur sind Visuelle Identität und Orientierungssysteme, mit denen versucht wird, auf Architektur zu reagieren und Räume „umzustimmen“.

Prof. Andreas Uebele, Stuttgart, stellte eine große Bandbreite des künstlerisch-planerischen Schaffens seines Teams vor, darunter u.a. die Fassadengestaltung von PWC-Anlagen im Saarland. Foto: StadtA MA - ISG

Prof. Andreas Uebele, Stuttgart, stellte eine große Bandbreite des künstlerisch-planerischen Schaffens seines Teams vor, darunter u.a. die Fassadengestaltung von PWC-Anlagen im Saarland. Foto: StadtA MA – ISG

Herr Uebele stellte eine Arbeiten seines Teams vor, darunter u.a. die Fassadengestaltung von PWC-Anlagen im Saarland, die mit ihrer kontrastreichen Farbgestaltung unattraktiv für Graffiti-Sprayer gemacht wurde. Die Konzeption von Piktogrammen für ein Gebäude in Mekka zeigt seine Erfahrung auf verschiedene Kulturen einzugehen, was am Standort Mannheim ebenfalls von Bedeutung ist. Mit Farbschemata, Beschriftungen und Symbolen gelingt es den Designern auf gut durchdachte Weise, Menschen psychologische Hilfe bei der Orientierung in verzweigten Räumen zu bieten. Verschiedenste Gebäude erhalten dabei eine visuelle Sprache, Orte eine Identität.

In der anschließenden Diskussion gab Dr. Nieß, der Leiter des Stadtarchivs zu bedenken, dass die Gestaltung des Büros Uebele sehr typografielastig sei. „Im Archiv gibt es schon so viele Buchstaben“, sagte er. Außerdem seien die Konzeptionen vielleicht etwas zu intellektuell für die Neckarstadt. Uebele hielt dagegen, dass man die Bevölkerung nicht unterschätzen solle. Man könne – im Gegenteil  –  die Latte nicht zu hoch hängen.

Einig war man sich im Plenum jedoch, dass das neue Konzept einen Zugang für Jedermann ermöglichen sollte und Uebeles Vortrag faszinierend und anregend war.

Kreative Prozesse gestalten und trotzdem zielorienteirt sein (iart ag, Basel)

Valentin Spiess, Diplom-Elektroingenieur und Geschäftsführer der iart ag Basel, präsentierte Konzepte im Spannungsfeld von Medien, Kunst und Technologie mit dem Schwerpunkt Interaktion im Raum. Zentrale Fragestellung dabei: „Wie kann man einen kreativen Prozess gestalten, der gleichzeitig zielorientiert ist“? Er präsentierte ein realisiertes Projekt mit interaktiven Stadtparkleuchten in Uster (Nähe Zürich). Die mit Radar- und Sensortechnik ausgestatteten, robusten Glasfaser-Kunststoff-Zapfen reagieren auf die Bewegungen der vorbeigehenden Menschen und stehen untereinander in Kontakt, so dass der Weg dem Spaziergänger vorausbeleuchtet wird. Auf diese Weise lässt sich schon von weitem erkennen, ob einem jemand im Park entgegenkommt. Ein weiterer Vorteil der Installation ist die Energieeffizienz, da die Leuchten nur bei Bedarf auf volle Leistung gehen.

"Wie kann man einen kreativen Prozess gestalten, der gleichzeitig zielorientiert ist“ - Valentin Spieß aus Basel stellt u.a. den Lichtfries am Neubau Basel vor. Foto StadtA MA - ISG

„Wie kann man einen kreativen Prozess gestalten, der gleichzeitig zielorientiert ist“ – Valentin Spieß aus Basel stellt u.a. den Lichtfries am Neubau Basel vor. Foto StadtA MA – ISG

Eine andere Realisierung des Büros, war der Lichtfries aus LEDs am Neubau des Kunstmuseums Basel. Dieser wurde als integraler Bestandteil des Gebäudes konzipiert. Der Fries hat im statischen Zustand die Wertigkeit von Architektur, da er wie ein Mauerrelief wirkt. Bei abnehmendem Tageslicht passt er sich den Umgebungsverhältnissen an und nimmt an Strahlkraft zu. Es entsteht die Illusion eines durchlässigen Mauerwerks. Die Installation kann sich im Kontext von Ausstellungen u.a. veränden, oder auch als Bewegtbild programmiert werden.

Die Herangehensweise bei medialen Inszenierungen im urbanen Raum erfolgt bei der iart ag in einer  differenzierten Auseinandersetzung mit der Umgebung, der Stimmung und dem gewünschten Nutzen. Auch müssen die Gestaltungsziele und Botschaften in Abstimmung mit dem architektonischen Statement geklärt werden: welches Gefühl, welche Stimmung soll entstehen? „Man muss den Mut haben, zu sagen, was man erreichen will“ betonte Spiess. Und man muss alle Stakeholder einbeziehen. So ging der Gestaltung der Baseler Museumsfassade eine dreieinhalbjährige Testphase voraus.

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