Die Bunkerkirche Sankt Sakrament in Düsseldorf-Heerdt

Vom militärischen Kriegsbauwerk zum kunstbeherbergenden Sakralraum: Die unter Denkmalschutz stehende Bunkerkirche Sankt Sakrament in Düsseldorf-Heerdt ist nicht nur die wahrscheinlich stabilste Kirche der Welt sondern auch Ort spannender Kunstausstellungen.

Die Außenfassade der Bunkerkirche in Düsseldorf-Heerdt. Foto: www.friedensort-bunkerkirche.de

Die Außenfassade der Bunkerkirche in Düsseldorf-Heerdt. Foto: www.friedensort-bunkerkirche.de

Das ist wohl weltweit eine einzigartige Kirche: Die Bunkerkirche Sankt Sakrament wurde ursprünglich im 2. Weltkrieg als Lufthochschutzbunker errichtet. 1928 wurde sie von der Gemeinde St. Sakrament als Kirchengrundstück erworben. Doch statt einer Kirche wurde durch die Nationalsozialisten, welche das Grundstück 1940 enteigneten, zunächst ein Lufthochschutzbunker erbaut, welcher zur Tarnung die Form einer Kirche annehmen sollte.

Der Bunker überlebte einige Bombenangriffe unbeschadet, bis nach dem Krieg am 17.06.1947 schließlich durch den Bunkerpfarrer Dr. Carl Klinkhammer der Umbau des Bunkers begann und das Grundstück endlich seine ursprüngliche sakrale Funktion erfüllen konnte.

Der Innenraum der Kirche. Foto: www.untertage-übertage.de

Der Innenraum der Kirche. Foto: www.untertage-übertage.de

In seiner Architektur prägen besonders Demut und Bescheidenheit als christliche Tugenden die Gestaltung der Kirche, was typisch für die Bauweise der Nachkriegszeit ist, was unter anderem auch Folge von beschränktem Material, Werkzeug und Arbeitskräfte ist.

Nach der Sanierung der Kirche in den 90er Jahren wurde sie 2002 durch EUROGA 2002 schließlich auch zu einem Kunstort. Durch die Restaurierung entstanden letztlich in den Bunkerzellen und der Turmrampe Lichtverhältnisse, welche für Ausstellungen optimal geeignet waren. Ausschlaggebend zur Wandlung der Bunkerkirche zum Ausstellungsort war unter anderem das EUROGA-Thema „Krieg und Frieden an Rhein und Maas“ mit der großen Ausstellung „Krieg“ des Künstlers Yong-Chang Chung.

Ausstellung „Besinnung“ von Gert Koch in der Bunkerkirche. Foto: www.friedensort-bunkerkirche.de

Ausstellung „Besinnung“ von Gert Koch in der Bunkerkirche. Foto: www.friedensort-bunkerkirche.de

2003 wurde durch Ulla Sommers der Kunstverein „Kunstort Bunkerkirche am Handweiser e.V.“ gegründet, welcher von nun an bis zu seiner Auflösung im Jahre 2006 themenbezogene Ausstellungen, begleitet von Literaturveranstaltungen und Konzerten in der Bunkerkirche veranstaltete.

2007 wurde die „Initiative Friedensort Bunkerkirche“ gegründet, welche die Planung von Vorträgen, Ausstellungen und Konzerten bis heute übernimmt. Bereits der Name der Initiative verdeutlicht die Wandlung des einst militärischen Kriegsobjekts zum „Friedensort“, der heute friedlich-sakralen Zwecken nachkommt und im Gegensatz zu seiner Vergangenheit steht.

Ausstellung „Aus der Tiefe ins Licht“ von Ulrike Redlich-Kocks. Foto: www.friedensort-bunkerkirche.de

Ausstellung „Aus der Tiefe ins Licht“ von Ulrike Redlich-Kocks. Foto: www.friedensort-bunkerkirche.de

Interessant ist hierbei die Wirkung eines solchen besonderen Ortes auf die in ihm ausgestellte Kunst. Ein Ausstellungsraum mit solch bedeutender Geschichte bleibt nicht ohne Einfluss auf die in ihm gezeigten Objekte. Gerade deshalb erscheint es wichtig, dass die hier ausgestellte Kunst thematisch passend ist, um so an die Geschichte der Bunkerkirche anknüpfen können. Besonders Kunstwerke, welche sich mit der NS-Zeit, Krieg und Krisen auseinandersetzen, aber auch sakrale Werke, werden hier in ihrem Ausdruck verstärkt durch die besondere Atmosphäre der Bunkerkirche.

Einblick in den Turmbau. Foto: www.untertage-übertage.de

Einblick in den Turmbau. Foto: www.untertage-übertage.de

Ein Ausstellungsort wie dieser ist in seinem Einfluss auf seine Kunst keinesfalls als neutral zu betrachten, es scheint als könne er nicht anders als zur Wirkung der Werke beizutragen. Geschichte, Kunst und Liturgie verschmelzen in der wohl stabilsten Kirche der Welt miteinander und erschaffen dadurch einen in seiner Atmosphäre wohl einzigartigen Kunstort.

Zuletzt lief die Ausstellung „Jenseitsreise“ – Vexierplastik von Bert Gerresheim (29. April 2016 bis 12. Juni 2016).

Dauerausstellungen der Bunkerkirche sind : „Glaubenszeugen der NS-Diktatur (1933 – 1945) in Düsseldorf“ „Dr. Carl Klinkhammer (1903- 1997)“ „Dr. Carl Sonnenschein (1876 -1929) Großstadtseelsorger in Berlin“

Adresse:

Bunkerkirche St. Sakrament, Stadtteil Heerdt, Heerdter Landstraße 270

Quellen und weiterführende Literatur:

www.ulla-sommers.de/Kunstort_Bunkerkirche/kunstort_bunkerkirche

www.friedensort-bunkerkirche.de

Bruno Kammann: Die Bunkerkirche in Düsseldorf-Heerdt

Hrsg: Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz. Neuss, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2000.

Ulla Sommers: Die Bunkerkirche: Eine Stätte der Begegnung, der Kunst, der Kultur in: Krieg und Utopie. Kunst, Literatur und Politik im Rheinland nach dem ersten Weltkrieg. Getrude Cepl-Kaufmann, Gerd Krumeich, Ulla Sommers (Hrsg). 2006.

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