Denkort Bunker Valentin

Als künftige „Bunkerbewohner“  ist ein Team aus dem Stadtarchiv in den Norden zum ehemaligen U-Boot-Bunker Valentin in Bremen-Farge gereist. Sie haben die Gedenkstätte vor Ort besucht und sich Anregungen für das zukünftige Ausstellungs- und Außenkonzept des MARCHIVUMS geholt.

Eindrucksvoll lugt das mächtig graue Gebilde durch die bunten Häuserreihen von Bremen-Farge. Ein neugierig machender erster Eindruck für jeden Busfahrgast, der an der Haltestelle „Rekumer Siel“ aussteigt. Der Bunker ‚Valentin‘ liegt wie ein riesiger Stolperstein auf dem Weg von Bremen nach Bremerhaven, direkt an der Weser und dem Weserradweg – und seit einiger Zeit dient er nicht mehr nur als Lagerraum oder Biotop für seltene Flechten, Moose, brütende Uhus und überwinternde Fledermäuse, sondern vor allem auch als eindrucksvolle Gedenkstätte.

Der Buker Valentin von aussen. Foto: Karen Strobel

Der Buker Valentin von aussen. Foto: StadtA MA – ISG

Auf dem Weg zur Gedenkstätte, vorbei an idyllisch anmutenden landwirtschaftlichen Höfen und Einfamilienhäusern, nimmt ‚der Graue‘ immer mehr Gestalt an, bis man direkt vor ihm steht. Uns überkam eine Mischung aus Beklommenheit und Faszination. Das mächtige graue Betongebilde offenbart nun seine immensen Ausmaße: rund 430 Meter lang, bis zu 97 Meter breit und 33 Meter hoch – zusammen mit einer Wandstärke von bis zu 7 Metern (!) nimmt nicht nur physisch Raum ein, seine bipolare Aura tritt unweigerlich auch mit dem Betrachter in einen stillen und eindringlichen Dialog.

Gebaut wurde der Beton-Koloss zwischen 1943 und 1945 von Tausenden Zwangsarbeitern (Zivilarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge). Er sollte der Wehrmacht als Montagehalle für das damals neu entwickelte U-Boot des Typs XXI dienen. In einer luftschutzsicheren Fertigungsstraße sollten Bauteile fließbandartig zusammenmontiert werden, damit – so die Planung –  alle 56 Stunden ein fertiges U-Boot durch ein Tauchbecken direkt in die Weser gebracht werden konnte.

Fotos in der Aussenanlage. Über 10.000 Zwangsarbeiter wurden vor Ort eingesetzt. Foto: Foto Karen Strobel

Fotos in der Aussenanlage. Über 10.000 Zwangsarbeiter wurden vor Ort eingesetzt. Foto: StadtA MA-ISG

Doch kein funktionstüchtiges U-Boot verließ je das gigantische Bauwerk, denn kurz vor der Fertigstellung im März 1945 wurde der Bunker durch zwei Luftangriffe der Alliierten so stark beschädigt, dass er nicht mehr brauchbar war. Aller Planungsgigantomanie zum Trotz wird in der Gedenkstätte nicht die Geschichte von Bau- oder Boots-Technik in den Mauern verewigt, sondern die derer, die unter grausamsten Bedingungen hier arbeiten und leben mussten. Bis zu 1600 der hier gequälten Zwangsarbeiter starben während der Bauarbeiten, wenn nicht an Unterernährung und Krankheiten, dann an demütigenden und willkürlichen Gewaltakten der Wachmannschaften.

419 Meter ist der Bunker lang und 20 bis 33 Meter hoch. Foto: Karen Strobel

430 Meter ist der Bunker lang, 97 Meter breit bis 33 Meter hoch. Foto: StadtA MA -ISG

Nach dem Krieg schien dies bald vergessen, man rühmte den Klotz gar als „8. Weltwunder von der Weser“. Vergeblich hatte man versucht, ihn zu sprengen oder zuzuschütten, und schließlich übernahm die Bundeswehr einen Teil als Lagerdepot. Und so verschwand ‚der Graue‘ nicht nur aus den Köpfen, sondern als militärische Einrichtung sogar von Landkarten und Luftbildern. Erst seit den 1980er Jahre rückte die Geschichte des Bunkers und seiner gequälten Zwangsarbeiter wieder ins Bewusstsein. Nachdem die Bundeswehr abgezogen war, wurde vor wenigen Monaten die sehenswerte Gedenkstätte eröffnet. Die Ausstellung ist bestechend schlicht und doch modern, die Texte kurz und einfach gehalten und damit genau richtig um in der angedachten Zeit von 1 ½ Stunden für einen Rundgang das Wichtigste zu erfahren und gleichzeitig den authentischen Ort auf sich wirken lassen zu können.

Bei den Bauarbeiten kamen tausende Menschen ums Leben. Die Zahlen schwanken zwischen 2.000 bis 6.000. Foto: Karen Strobel

Bei den Bauarbeiten kamen tausende Menschen ums Leben. Die Zahlen schwanken zwischen 2.000 bis 6.000. Foto: StadtA MA -ISG

Die Beschilderung greift die graue Betonfarbe auf und besticht mit hochaufgezogenen, zeitgenössischen Bildern und Textpassagen der Zeitzeugen. Die Ausstellung will anregen, sich dem Thema zu nähern. Wer möchte, der kann mehr erfahren. Innovative Projekte und umfangreiche Angebote für alle Altersgruppen runden das Angebot ab. Das engagierte Gedenkstätten-Team hat es geschafft, eine Atmosphäre zu schaffen, die dem Besucher hilft, das Gleichgewicht zu halten und weder von der Wucht des Gebäudes noch von seiner grausamen und schrecklichen Geschichte erdrückt zu werden. Das öffnet ihm das Thema und gibt ihm Raum zum Nachdenken.

Nach einem Zwei-Stunden-Besuch am, im und um den Bunker herum hatten wir viel gelernt, gesehen und gehört und mussten unseren Weg nach Bremerhaven fortsetzen. Es hätte noch so viel mehr zu erfahren gegeben und wenn’s möglich ist, dann kommen wir wieder an diesen Denkort an der Weser.

 

Weitere Informationen zum Denkort Bunker Valentin:

http://www.denkort-bunker-valentin.de/startseite.html

Film „Geheimnisvolle Orte- Hitlers U-Boot-Bunker“

https://www.youtube.com/watch?v=Ycg0srcogOQ

 

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