Schlossbunker Mannheim: Erstaunte Gesichter und spannende Gespräche

Seit einem halben Jahr erzählen wir spannende Geschichten rund um das Thema Bunker und über das Marchivum – der zukünftige Begegnungsort in der Neckarstadt-West. Doch wie könnte Geschichte authentischer vermittelt werden, wenn nicht durch Besuche an Originalschauplätzen? Mit Studenten haben wir eine Führung durch den Schlossbunker gemacht.

Es geht los zur Führung. An vier Führungen nahmen gesamt etwa 100 Studierende teil. Foto: Silvia Köhler

Es geht los zur Führung. An vier Führungen nahmen gesamt etwa 100 Studierende teil. Foto: Silvia Köhler

Donnerstagnachmittag. Die Sonne strahlt, im Ehrenhof des Mannheimer Schlosses herrschen hochsommerliche Temperaturen und am Karl-Friedrich-Denkmal hat sich eine große Gruppe Studierender versammelt. Doch diese sind nicht zum Sonnen dort, sondern zur Schlossbunker-Führung, die in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Geschichte der Universität und MannheimTours veranstaltet wird.

Man spürt ihre Passion für Mannheims Untergrund: Gerda Kirschner und Georg Seiberlich von MannheimTours. Foto: Silvia Köhler

Man spürt ihre Passion für Mannheims „Untergrund“: Gerda Kirschner und Georg Seiberlich von MannheimTours. Foto: Silvia Köhler

MannheimTours, das sind Gerda Kirschner und Georg Seiberlich, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, den Mannheimer Bunker und Bodendenkmäler aus dem Dornröschenschlaf zu holen.

Führung durch die Bunker-Disko

Gleich zu Beginn der Führung wird deutlich: Hier wird Geschichte nicht trocken heruntergeleiert, sondern erlebbar gemacht.

Der Bunker nimmt nicht den geamsten Schlosshof ein. Er war auch in erster Linie konzipiert, um Soldaten unterzubringen. Foto: Felix Warak

Der Bunker nimmt nicht den gesamten Schlosshof ein. Er war auch in erster Linie konzipiert, um Soldaten unterzubringen. Foto: Felix Warak

Da die ehemaligen vier Eingänge des Schlossbunkers heute verschlossen sind, muss die Gruppe den Bunker über einen ehemaligen Heizungskeller des Schlosses betreten.

Vorbei an langen Rohren und Heizungskesseln geht es hinunter in die Tiefen des Ehrenhofes. Und dort ist die Überraschung groß: Der Bunker erinnert an einen alten aber großen Keller. Die Wände sind weiß getüncht, der Boden aus grauem Stein und die Luft ist kühl und muffig.

Hier wurden die Gäste des Hotels empfangen: Die Rezeption. Foto: Felix Warak

Hier wurden die Gäste des Hotels empfangen: Die Rezeption. Foto: Felix Warak

Aber hier sind keine eingeweckten Früchte zu finden, sondern eine alte Pritsche, theoretisch noch funktionstüchtige Sanitäranlagen und Technik aus den 40er Jahren, wie Lampen oder Lüftung.

Und auch Spuren der Nutzung nach dem Krieg sind zu finden. Da gibt es noch die alte Rezeption des Bunkerhotels, das sich hier bis zum Beginn der 1950er Jahre befand, alte Bierflaschen und nicht eingelöste Getränke-Coupons der Bunkerdisko, in der in den 1980er und 1990er Jahren zahlreiche Mannheimer tanzten.

Vielleicht ist das Gestell ja noch aus dem Hotel überig geblieben? Auf jeden Fall war der Raum zum übernachten nicht sehr groß. Foto: Silvia Köhler

Vielleicht ist das Gestell ja noch aus dem Hotel überig geblieben? Auf jeden Fall war der Raum zum übernachten nicht sehr groß. Foto: Silvia Köhler

In Verbindung mit Kirschners und Seiberlichs Führung – das große Wissen der beiden ist in jedem Satz zu spüren – wird die Geschichte des Bunkers und seiner Menschen nachfühlbar. Ob verängstigte Menschen während des Krieges oder junge Betrunkene, die auf Elektro-Musik tanzen.

Ansporn für die Zukunft

Nach der rund 60-minütigen Führung ist die Erleichterung der Teilnehmer, wieder am Tageslicht und an der frischen Luft zu sein, spürbar. Aber auch Erstaunen ist in ihr Gesicht geschrieben. „Ich fand es tierisch spannend, was sich unter dem Schloss noch alles befindet. Die Dimension des riesigen Bunkers wurde mir erst mit der Zeit bewusst“, erzählt die 26-jährige Germanistik-Studentin Eileen Nagler begeistert.

Der Waschraum. Auch hier ist alles erhalten geblieben. Foto: Silvia Köhler

Der Waschraum. Auch hier ist alles erhalten geblieben. Foto: Silvia Köhler

Auch Sven Kaulbarsch vom Blog-Team, der durch seine Recherchen m Stadtarchiv den Impuls für diese Aktion gab, ist mit den Führungen sehr zufrieden: „Dieses einengende Gefühl in einem Bunker war eine große und persönliche Erfahrung für mich.  Ich freue mich, dass die Führung so gut bei den Studierenden angekommen ist. Daran sieht man, dass sich die Arbeit und die Recherche lohnt.“

Blick von unten zum ehemaligen Auf- und Abgang in den Bunker. Diese sind heute mit Gitter verschlossen und werden nicht mehr genutzt. Foto: Silvia Köhler

Blick von unten zum ehemaligen Auf- und Abgang in den Bunker. Diese sind heute mit Gitter verschlossen und werden nicht mehr genutzt. Foto: Silvia Köhler

„Wir möchten mit unserem Blog die Geschichte der Bunker in Mannheim spannend vermitteln und erlebbar machen“, erzählt Silvia Köhler, die Chefredakteurin dieses Blogs.

Mit dem Auto mitten durch, direkt auf die Brücke zum Rhein.Gerda Kirschner von MannheimTours zeigt den Plan zur Umgestaltung des Schlosses nach dem Krieg. Foto: Felix Warak

Mit dem Auto mitten durch, direkt auf die Brücke zum Rhein.Gerda Kirschner zeigt den Plan zur Umgestaltung des Schlosses nach dem Krieg. Foto: Felix Warak

„Dies ist durch die Bunkerführungen gelungen. Die erstaunten Gesichter der Studierenden und spannende Gespräche nach den eigentlichen Führungen zeigen, dass der Krieg für die junge Generation noch ein Thema ist und dass wir mit unserer Arbeit genau richtig liegen.  Das ermutigt uns, auch in Zukunft nach spannende und tolle Geschichten zu suchen und vielleicht noch weitere Projekte zu organisieren.“

Geschichtsvermittlung kann nicht authentischer erfolgen als an einem Originalschauplatz. Das beweisen Gedenkstätten. Das beweisen Führungen.

Hier finden Sie mehr Historisches zum Schlossbunker.

Hier finden Sie den Beitrag von RNF Campus TV zur Führung.

Kommentare

    • Danke. Fotografieren das wird schwierig. Aber man kann bei den Führungen von Mannheim Tours auch Bunker sehen, die auch sehr interessant sind. Und da kann man gut fotografieren 😉

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