Relikte des Kalten Krieges – der Bundesbankbunker

Nicht nur die Bundesregierung suchte in Zeiten des Kalten Krieges einen atombombensicheren Ausweichsitz. Auch die Bundesbank verfügte über einen solchen Schutzraum.

Der Kalte Krieg: Ein Kampf, der nicht auf den Schlachtfeldern Europas, sondern vor allem in den Köpfen der Menschen ausgetragen wurde. Was wäre zum Beispiel, würde der kommunistische Ostblock nicht die Bürger Westdeutschlands, sondern die Wirtschaft angreifen?

Foto: Julia Friedrich

Foto: Julia Friedrich

Genau für diesen Fall wurde der Bundesbankbunker in Cochem, einem beschaulichen unter Touristen beliebtem Städtchen an der Mosel, gebaut: Ein Tresor mit einer Grundfläche von 700m², eingebettet in einen Bunker der Bundesbank, ausgestattet mit modernster Nachrichtentechnik und Plänen für verschiedene Ernstfallszenarien. Seit Ende letzten Jahres ist der Bunker für Guppen, seit März 2016 auch für Einzelpersonen im Rahmen einer Führung zugänglich. Da der Bunker am Ende einer Einbahnstraße, in einer Wohngegend gelegen ist, gibt es gegen eine Aufwandsentschädigung die Möglichkeit, den Bunker mit einem Shuttle-Bus vom zentralen Endertplatz zu erreichen. Alternativ kann man in der Stadt oder z.B. am Schwimmbad parken und sich zu Fuß aufmachen.

Blick in den Tresorraum. Foto: Julia Friedrich

Blick in den Tresorraum. Foto: Julia Friedrich

1964 in Betrieb genommen, wusste selbst die Bevölkerung in unmittelbarer Umgebung nicht, dass in direkter Nachbarschaft Scheine einer Ersatzwährung mit einem Wert von 15 Milliarden DM lagerten. Die Lage des Grundstücks war ein Glücksfall: Unabhängig von einem Bunker war man „sowieso auf der Suche nach einem Schulungszentrum“ für Bundesbankmitarbeiter, so der Bunkerführer. Schnell war klar, dass im Keller des Schulungszentrums ein Zugang zu einem Bunker entstehen sollte. So wurden zwei Häuser an den Hang gebaut – der örtlichen Bevölkerung entgingen jedoch nicht die ungewöhnlich aufwendigen Bauarbeiten, die nicht mit dem Bau zweier Häuser in Zusammenhang zu stehen schienen.

Aus der Not machte man eine Tugend und lud die Nachbarschaft zu einer Informationsveranstaltung ein und erklärte, dass an das Schulungszentrum ein Schutzbunker angegliedert werden sollte. Ein zu dieser Zeit nicht ungewöhnlicher Vorgang; das Schweigen der Bevölkerung sicherte man sich schließlich durch die Versicherung, dass es genügend Platz für 175 weitere Zivilisten gebe, die im Ernstfall hier Schutz finden könnten. Zum Beweis wurden Baupläne präsentiert, die einen hundert Meter langen Tunnel zeigten – von dem dahinterliegenden Tresorraum sowie dem zusätzlichen Stockwerk war hier nichts zu sehen. Aufgrund des begrenzten Raumes für Zivilisten blieb die Existenz des Bunkers für fast zwanzig Jahre geheim. Auch die Mitarbeiter der Bundesbank, die zu Weiterbildungszwecken nach Cochem reisten hatten keine Ahnung von der Anlage.

Eingangstunnel in den Bunker. Foto: Julia Friedrich

Eingangstunnel in den Bunker. Foto: Julia Friedrich

Luftangriff, wetterbedingter Ernstfall und ABC – Alarm: Für all diese Notsituationen hatte man einen Einsatzplan, war der Bunker gesichert und konstruiert. Eingetreten ist keine der Szenarien, sodass nach der Inbetriebnahme 1964 bis zur Aufgabe fast 25 Jahre später nie mehr als 4 Personen gleichzeitig im Bunker waren. Fest angestellt war ein Techniker, der die Klimaanlage im Auge behielt und regelmäßig die Notstromaggregate überprüfte. Einmal jährlich wurden die Geldbestände zudem von drei einander unbekannten Mitarbeitern der Bundesbank kontrolliert – die Geldscheine wurden also gezählt und auf Mängel hin überprüft. Hierbei galt das 6 Augen Prinzip: die unabhängige Prüfung sollte maximale Genauigkeit und Sicherheit gewährleisten. Angesichts der schieren Menge scheint es unmöglich, sich nicht zu verzählen: Auf einer Fläche von 700m² waren in 16 Boxen waren je 840 Säcke mit bis zu 20000 DM untergebracht.

Foto. Julia Friedrich

Foto. Julia Friedrich

Mit der Schließung des Bunkers 1988 wurden nicht nur die bis dahin in Cochem gelagerten 15 Mrd. DM, sondern auch weitere Scheine im Wert von damals 11Mrd. DM die sich für den internationalen Austausch vorgesehen in Frankfurt befanden. Nach 1988 wurde der Bunker für einige Jahre von einer örtlichen Bankfiliale angemietet, deren Tresorraum im Rahmen des Jahrhunderthochwassers zeitweise unbenutzbar geworden war. Aufgrund der hohen Unterhaltskosten wurde auch dieser Tresorraum nach einigen Jahren aufgegeben, sodass der Bunker seit 2009 wieder zum Verkauf stand und schließlich 2014 vom Ehepaar Reuter übernommen wurde – zusammen mit den sog. Tarnhäusern, also dem ehemaligen Schulungszentrum, das jetzt in ein Hotel umgebaut wurde und ab dem Sommer angemietet werden kann.

Die Nachrichtenschreiber. Foto: Julia Friedrich

Die Nachrichtenschreiber. Foto: Julia Friedrich

Heute findet sich der Besucher nach Betreten der Anlage in einem gut-erhaltenem Bunker wieder: Weder die Tresortür, noch die Wände oder die Einrichtung scheinen Schaden genommen zu haben. Doch dieser Eindruck täuscht: Bei der ersten Besichtigung 2009 befand sich der Bunker in einem guten Zustand, jedoch war dieser vollkommen leer. Es sollte noch fünf weitere Jahre dauern, bis die Anlage ein weiteres Mal den Besitzer wechselte – eine lange Zeit, die sich jedoch bemerkbar machen sollten: Aufgrund unverschlossener Türen konnte Wasser in den Bunker eindringen und fatale Schäden, die sich vor allem in Rost und Schimmel zeigten. „Das Schlimmste war, zu sehen, wie alles zerfallen ist“, so die Bunkerherrin Petra Reuter. So gingen mit dem Erwerb des Bunkers 2014 erhebliche Renovierungsarbeiten und -kosten einher. Für zwei Jahre wurde gestrichen, Rostschäden behoben, Ausstellungsstücke organisiert und anhand überlieferter Dokumente eine Ausstellung konzipiert.

Blick in einen Arbeitsraum, der genau wieder so hergestellt wurde, wir er einmal war. Foto: Julia Friedrich

Blick in einen Arbeitsraum, der genau wieder so hergestellt wurde, wir er einmal war. Foto: Julia Friedrich

Hierzu gehört auch, dass die für den Ernstfall geplante Ausrüstung präsentiert und erklärt wird. Hierzu gehört, dass z.B. die Kleidungsstücke für einen atomaren Notfall in einem Raum in der Nähe des Eingangs hängen. Die Luftversorgung im Bunker erfolgte mithilfe von Sauerstoff von der unmittelbaren Umgebung des Bunkers, im Falle einer Verunreinigung war eine Filteranlage integriert worden. Im Falle eines Stromausfalls hätte die Luft mit Körperkraft mithilfe einer Kurbel angezogen werden müssen – eine körperlich anstrengende Arbeit, die der Besucher selbst ausprobieren kann.

Notversorgung mit Sauerstaoff. Foto: Julia Friedrich

Notversorgung mit Sauerstaoff. Foto: Julia Friedrich

Die zweite Etage des Bunkers ist dem vermeintlichen Personal des Bundesbankbunkers gewidmet – im Ernstfall wären von hier die Scheine der Ersatzwährung verteilt worden, hätten bis zu 75 Personen im Schichtbetrieb für eine Entspannung der Lage gearbeitet. Die mit leeren Ordnern ausgelegten Tische vermitteln den Eindruck, dass die Gefahr noch besteht, dass jederzeit eine Notsituation eintreten und Bundesbankmitarbeiter mit ihrer Arbeit beginnen könnten.

Lesen Sie hier: Relikte des Kalten Krieges: Der Regierungsbunker

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