A WALL IS A SCREEN – filmischer Streifzug durch die Neckarstadt-West

Letzten Freitagabend lud das Baukompetenzzentrum Mannheim in Kooperation mit dem Bund Deutscher Architekten und dem MEA Maison européenne de l’architecture zu einem Rundgang in die Neckarstadt-West ein. Eines der Ziele war der Hochbunker an der Jungbuschbrücke.

Die Hamburger Künstlergruppe „A Wall is a Screen“ entwickelte 2003 das Konzept der Kurzfilmwanderung, mit dem sie erfolgreich in vielen Städten unterwegs ist. Dabei werden nach Einbruch der Dunkelheit auf Hauswände, Mauern und andere Flächen Kurzfilme projiziert. In dieser Kombination aus Stadtführung und Filmnacht wandern die „Kinobesucher“ von Station zu Station und jedes Mal werden Filme gezeigt, die mit dem Ort manchmal direkt zusammenhängen, ihn manchmal aber auch in einen ganz neuen Zusammenhang stellen.

Viele Zuschauer verfolgen das Projekt der Hamburger Künstlergruppe „A Wall is a Screen“. Foto: Andreas Schnek

Viele Zuschauer verfolgen das Projekt der Hamburger Künstlergruppe „A Wall is a Screen“. Foto: Andreas Schnek

Letztes Jahr gastierte das Team von „A Wall is a Screen“ zum ersten Mal in Mannheim. Damals wurden verschiedene Stationen entlang der Neckaruferbebauung filmisch in Szene gesetzt. In diesem Jahr ging es durch die Neckarstadt-West. Treffpunkt war die Paul-Gerhard-Kirche, deren Klinkerfassade den idealen Hintergrund für einen Trickfilm lieferte, in dem Graffitizeichnungen auf einer Mauer ein skurilles Eigenleben entwickeln.

Die zweite Station bildete ein Videoladen, eine Einrichtung, die in YouTube-, Download- und Streaming-Zeiten ein Relikt vergangener Tage ist und ebenso auszusterben droht wie die in einer Filmkollage wunderbar in Szene gesetzten alten PC´s mit ihren monströs großen Röhrenmonitoren und den damals so modern wirkenden Floppy-Disketten. Die Tücken des Alltags und wie sich die lieben Nachbarn manchmal gegenseitig das Leben schwer machen, dies nahm ein Zeichentrickfilm unterhaltend aufs Korn, der sinnigerweise auf die Wand eines Wohnblocks geworfen wurde. Eine Familie, die in ihrem Wohngebiet penibel auf Sauberkeit achtet und dabei auch schon mal den Verkehrsschildern mit Putzlappen und Spülwasser zu Leibe rückt – auch diese Persiflage auf Deutsche Reinlichkeit spielte sich passend zum Thema auf der Wand eines Wohnhauses ab.

Eng - der Kurzfilm von Eckhard Kruse zeigt Menschen in Enge und Weite, beobachtet das sonderbare Verhalten von Engebewohnern und erläutert, warum die Auswirkungen ihres Tuns vermeintlich egal sind. Foto: Jens Vogel

Eng – der Kurzfilm von Eckhard Kruse zeigt Menschen in Enge und Weite, beobachtet das „sonderbare Verhalten von Engebewohnern“ und erläutert, warum die Auswirkungen ihres Tuns vermeintlich egal sind. Foto: Jens Vogel

Dann steuerte das Filmteam den Bunker an, baute in der Bürgermeister-Fuchs-Straße den mitgebrachten Beamer, die Lautsprecheranlage und den mobilen Generator auf, damit auf der Bunkerwand der fünfte Film des kurzweiligen Abends aufflimmern konnte.

Eine Weltkugel war zu sehen, dann weite, fast menschenleere Landschaften und im Gegensatz dazu dicht bevölkerte Städte. Es ging darum, wie die Menschen immer mehr Raum für sich beanspruchen und doch jeder Einzelne immer weniger Raum hat, wie die Menschen in den Städten zur anonymen Masse werden, gestapelt in Hochhäusern, die an Hochregallager erinnern. Damit war denn auch der Bezug zum Bunker hergestellt, der im Zweiten Weltkrieg zeitweise bis zu 7.500 Menschen aufnahm – für den Einzelnen war da nicht viel Platz – und der nach seinem Umbau zum MARCHIVUM unter anderem mit Magazinräumen ausgestattet sein wird, in denen Archivalien gestapelt werden.

Die sechste Station befand sich wenige Meter vom Bunker entfernt auf einem kleinen Platz der mit seiner Baumgruppe einen Trickfilm umrahmte, in dem die Natur mit einer merkwürdig surrealen Tierwelt eine Hauptrolle spielte.

Nach etwa eineinhalb Stunden endete die unterhaltsame Entdeckungstour am Neumarkt-Kiosk mit einem Musikclip und der Einladung, den Abend mit Getränken und Gesprächen ausklingen zu lassen – eine Einladung, der viele der rund 50 Besucher folgten.

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