Polier – Sprachrohr auf der Baustelle

Michael Heide von der Firma Groetz koordiniert als Polier die Rohbauarbeiten und die Arbeiter auf der Baustelle am Bunker.  Wir haben mit ihm über seinen Beruf gesprochen.

Die Bezeichnung Polier geht zurück auf die frühere Namensgebung Parlier. Diese historische Berufsbezeichnung wird vom französischen parler (sprechen) abgeleitet. Und das charakterisiert bis heute sehr schön die Funktion des Poliers als Sprecher (Vorgesetzter) der am Bau beteiligten Arbeiter.

Poliere werden bei Roh- und Ingenieurbauarbeiten eingesetzt, aber auch im Straßen- und Tiefbau.

Was genau macht ein Polier?

Michel Heide lacht, als ich ihn das frage: „Der überwacht, schaut, dass die Termine passen, dass die Arbeiten maß genau ausgeführt werden, schaut auf die Qualität und natürlich auch auf die Kosten.“

Poliere sind Prellbock, Sprachrohr, zentrale Kontaktperson auf der Baustelle. Sie sind ständig auf der Baustelle und Vermittler zwischen Bauleiter und Architekt.

Wie wird man Polier?

„Angefangen habe ich als Stahl- und Betonbauer. Den habe ich eine Weile ausgeübt, dann war ich eine Weile Vorarbeiter. Und dann bin ich auf einen Lehrgang, wo man das lernen konnte. So richtig mit Abschluss. Das ist ein Lehrgang, der dauert mehrere Wochen. Da macht man alles Mögliche, technisches Zeichnen, Mathe, Menschenführung“.

Michael Heide erklärt wie die Baucontainer umgesetzt werden, damit Platz für neues Material ist. Foto: Silvia Köhler

Michael Heide gibt Anweisungen, wie die Baucontainer umgesetzt werden, damit Platz zum Abladen der Stahlträger geschaffen wird. Foto: Silvia Köhler

Michael Heide ist so etwas wie ein Vermittler – zwischen Architekt und Ausführung. Auf dem Plan und dem Papier scheinen manche Dinge vielleicht einfach, in der Umsetzung sind sie das aber manchmal nicht. Beim Umsetzen betont er, “da ist ein gutes Händchen gefragt“.

Genau, wende ich ein – „handling people“ – wie man das so Neudeutsch bezeichnet, das ist doch wohl sicher das Wichtigste auf der Baustelle. Auch, antwortet er gedehnt, aber nicht nur. Und das lernt man nicht in einem Lehrgang, das kommt durch die Erfahrung am Bau. Heide macht das seit etwa 10/11 Jahren.

Wie sieht sein Alltag aus?

Jeden Morgen kurz nach 5 Uhr steigt er hinter Frankfurt in sein Auto und fährt nach Mannheim.

„Ich komme früh um halb sieben auf die Baustelle. Um sieben geht es los. Dann zähle ich erst mal die Leute durch, schaue wer alles da ist und nicht und dann wird die Arbeit koordiniert, verteilt, wer was wie macht, etc. Dann gibt es auch Papierkram und Mails. Ich laufe über die Baustelle und schaue, wie gearbeitet wird.“

Auf dem Dach erklärt mir Michael Heide, wie das mit dem Betonieren funktioniert. Foto: StadtA MA - ISG

Auf dem Dach erklärt mir Michael Heide, wie das mit dem Betonieren funktioniert. Foto: StadtA MA – ISG

Die Terminpläne des Architekten sind für Michael Heide so was wie die „Bibel“ auf der Baustelle. „Daran muss ich mich halten“. Und er schaut sehr genau auf die Ausführung und die Qualität der Arbeiten: „da prüfe ich schon fünfhundert bis tausendprozentig, ob die Arbeit ok ist, maß genau und richtig ausgeführt ist“.

Aber das ist es nicht nur, was ihn antreibt: „Ich möchte schon schneller als der Terminplan sein“. Daher legt er auch mal Arbeitsschritte zusammen und plant ein bisschen um.

Ist der Bunker für ihn ein besonderer Bau?

Ja klar, erwidert er. „Der Bunker ist schon was Besonderes. Weil das auch was mit der Geschichte zu tun hat. Da befasst man sich schon damit, was war da, wer hier drin war. Zum Beispiel als die Wände angestrahlt wurden, da habe ich schon geschaut, ob man noch irgendwas an den Wänden sieht. Das ist schon sehr viel interessanter als andere Bauten“.

Seine größte Baustelle?

Die war in Wiesbaden, als dort das Biomasse-Heizkraftwerk gebaut wurde. Dort war er über eineinhalb Jahren. „Da lief ganz viel parallel und es waren in Stoßzeiten so 30 – 40 Personen auf einmal vor Ort“.

Verrücktestes Erlebnis als Polier?

Als ich ihn danach frage, lacht er auf, hat aber auch gleich ein Beispiel parat: „In Seoul, da war ich immer wieder verblüfft über die Arbeitsweise der Menschen vor Ort. Da wurden mal Styropor-Platten, die mit Wasser vollgesaugt und dadurch total schwer waren, von der Baustelle abtransportiert. Auf eine ganz ungewöhnliche Weise. Der Kleintransporter war so beladen, dass das Vorderteil des Autos immer mehr in die Höhe ging. Da habe ich noch Fotos. Das würde hier in Deutschland nicht gehen“.

Wie ist das so, wenn man weggeht und dann später die Bauwerke wieder sieht?

Klar gibt er zu, da denkt man schon dran: „Ich komme ja ursprünglich vom Brückenbau. Und auf der A5 und der A656 gibt es schon einige Brücken, bei deren Bau ich dabei war. Und wenn man da vorbei fährt, da fallen einen so die schlechten, aber auch die guten Dinge ein“.

Wir danken ganz herzlich für das Gespräch.

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