Übernachten im Zeichen des Friedens

Im Rahmen des Blogs stellen wir immer wieder Projekte vor, die eine neue Nutzung für Bunker bieten, hier nun eine sehr naheliegende, aber nicht ganz so selbstverständliche Idee  – das Übernachten in einem Bunker als Hotel …

Erbaut, um den Bewohnern der näheren Umgebung Zuflucht zu bieten: die Luftschutzbunker. Die Nächte im Inneren jedoch haben sich geändert: wo die Menschen einst verzweifelt zusammensaßen, dicht an dicht und voller Angst waren, da schlafen heute Menschen vielleicht noch entspannter als in ihren eigenen Betten.

Hotel Rennsteighöhe in Thüringen

Die Idee, Übernachtungen im Bunker anzubieten, kam dem Hotel Rennsteighöhe in Thüringen durch die Anregung einiger Gäste. Das heutige Hotel war zu DDR- Zeiten eine Kinderferienanlage und der Bunker Teil des Geländes. Im Kalten Krieg befand sich hier eine Art Kommunikationsbasis, mit neuester technischer Ausstattung. Im Ernstfall war hier der Einsatz von 40 Personen geplant, die reguläre Besatzung bestand hingegen nur aus 10 Personen.

Die Telefonzentrale im Bunker Rennsteighöhe. Foto: Hotel Rennsteighöhe

Die Telefonzentrale im Bunker Rennsteighöhe. Foto: Waldhotel Rennsteighöhe

Der Bunker, der heute in staatlicher Trägerschaft ist, wurde 1997 zu einem Museum umgebaut und steht unter Denkmalschutz. Die Option, hier auch zu übernachten entstand erst 2007. Eine Art Abenteuerevent, meist von Gruppen anlässlich Geburtstagsfeiern oder Betriebsausflügen gebucht.

3-Gänge-Menü in entsprechendem Outfit und passend zum Bunker... Foto: Hotel Rennsteig

Selbstgemachtes 3-Gänge-Menü in entsprechendem Outfit,  passend zum Bunker… Foto: Waldhotel Rennsteig

Zum „Urlaubserlebnis Bunker“ gehört außer der Unterbringung im dreistöckigen Kasernenbett und ein ganzes Programm, das die Bunkerübernachtung zu einem Erlebnis macht: etwa gemeinsames Kochen, die nächtliche Wachablösung und Frühsport. Nach fast 16 Stunden gehen die Gäste dann zurück ins Hotel, wo eine heiße Dusche und das Frühstück warten.

Eingang zum Bunker. Foto: Hotel Rennsteighöhe

Eingang zum Bunker. Die Übernachtung ist nur während der Sommermonate möglich. Foto: Waldhotel Rennsteighöhe

Hotel La  Claustra in Airolo unter dem Gotthardpass

Weniger geschichtlich ausgerichtet präsentiert sich das „La Claustra“ in der Schweiz: Auch hier stellte sich die Frage, was tun mit dem alten Bunker? Der Künstler Jean Odermatt entschloss sich zu Beginn der 1990er Jahre „aus einer Weinlaune heraus“, sich einem dieser Überbleibsel aus Kriegszeiten anzunehmen und kaufte die Einrichtung, um daraus ein Hotel zu machen.

Auf einer Höhe von 2.050 m über dem Meeresspiegel führen 134 Stufen in eine regelrechte Festung: Wo früher Soldaten für drei Monate ihren Dienst taten, bieten heute 17 Zimmer, ein Saal für 100 Personen und zwei Seminarräume Platz zum Arbeiten. Mit dem Wellnessbereich und einer sehr guten Küche auf einer Gesamtfläche von 5.000m² ist La Claustra gleichzeitig ein Ort der Ruhe und Entspannung, vor allem, da es hier keinen Handyempfang gibt – nur WLAN ist verfügbar: Wer dennoch ein Telefonat führen möchte, muss den Bunker verlassen.

Der EIngang zu La Claustra im Sommer. Foto: La Claustra.

Der EIngang zu La Claustra im Sommer. Foto: La Claustra.

1942, unter Mitarbeit von Gastarbeitern errichtet, diente der Bunker der strategischen Abwehr und Verteidigung der Gotthardpassage. Im Wechsel von drei Monaten waren 2.200 Mann Besatzung unter der Erde stationiert, ausgestattet mit zwei Kanonen und verstellbaren Spähern, die eine Gesamtfläche von 40.000² überwachten. Nach der letzten Person, die 1994 den Bunker verließ, dauerte es bis 1998, bis durch den Verkauf an den Künstler und Soziologen Jean Odermatt wieder Leben in den Bunker kam.

Der EIngangsbereich des Hotels. Foto La Claustra

Der EIngangsbereich des Hotels. Foto La Claustra

Mit dem Kauf begannen Schwierigkeiten: Nicht nur, dass es sich bei dem Objekt um einen massiven unterirdischen Bunker handelt, sondern er befindet sich auf einer Höhe von 2.050m und ist besonders im Winter nur schwer zugänglich. Probleme bereiteten vor allem die Sicherheitsvorgaben, auch die Installation der Lüftungsanlage dauerte fünf Jahre. Außerdem musste der Denkmalschutz berücksichtigt werden: So ist der 300m lange Tunnel, der die eigentliche Hotelanlage mit der Außenwelt verbindet, erhalten geblieben, einschließlich der Stromanlage. Auch im Inneren musste einiges erhalten werden, daher gibt es kein eigenes Bad im Zimmer, sondern ein, sehr modern ausgestattetes, Gemeinschaftsbad.

La Claustra im Winter. Foto: La Claustra

Auf 2.050 Meter Höhe hat das Wetter das Hotel fest im Griff. 180 Tage im Jahr ist das Hotel geöffnet. In der Regel Anfang Mai bis Ende Oktober. Foto: La Claustra

Wo früher Offiziere getrennt von Soldaten aßen, werden heute am Abend 6-Gänge-Menüs aufgetischt. Das Hotel ist berühmt für seine Küche und bezieht die Lebensmittel aus der Region, die einmal wöchentlich auf den Berg gebracht werden. Daher gibt es auch nur eine begrenzte Auswahl an Gerichten, doch diese würden umso intensiver wahrgenommen wie der jetzige Inhaber erklärt, da die Geschmacksnerven aufgrund der Höhe eine höhere Sensibilität aufweisen, sozusagen der „Tomatensaft-Effekt“. Eine weitere Nebenwirkung der Höhe sei der große Appetit der Gäste, so würden auch zierliche Damen die eher großzügig gestalteten Portionen vollkommen aufessen.

Wie eine Box in den Stollen eingefügt: Das Restaurant. Foto: La Claustra

Wie eine Box in den Stollen eingefügt: Das Restaurant. Foto: La Claustra

Der Hotelbunker hat mit Herrn Geissmann und dessen Firma einen neuen Besitzer gefunden, nachdem der Künstler Jean Odermatt und dessen Stiftung den Betrieb nicht mehr finanzieren konnten. Das Hotel „La Claustra“, übersetzt „das Kloster“ war eigentlich von Jean Odermatt als ein modernes Kloster gedacht, als ein Ort zum Ruhe finden. Diesen Zweck erfüllt es noch heute, wobei der Fokus deutlich auf Gruppen liegt, so sind „Seminare die bis zu zwei Tage dauern, „natürlich unser Hauptgeschäft“ (Geissmann), auch Microsoft und Credit Swiss buchen sich hier für solche Events ein. Insgesamt 30% der jährlichen Auslastung wird für Seminare gebucht, weitere 30% entfallen auf gemeinsame Klubausflüge, die restlichen Privatgäste sind vor allem Wochenendbesucher.

Foto: La Claustra

Foto: La Claustra

Insgesamt fühlten sich die Besucher im Bunker sehr wohl. Den Fall eines Bunkerkollers – das ein Gast die Einrichtung nicht betreten wollte oder nicht bleiben konnte – habe es seit der Inhaberschaft unter Geissmann nur dreimal gegeben.

Die Übernachtung im Bunker als Erlebnis oder zur Entspannung – eine nachhaltige Idee, die auf jeden Fall einen Besuch wert ist!

 

Kommentieren