Richtfest

Am Samstag den 26.11. 2016 war Richtfest für den Neubau des Stadtarchivs.

Etwa 300 Besucher verfolgen, wie der Richtkranz gesetzt wird. Foto: StadtA MA - ISG

Etwa 300 Besucher verfolgen, wie der Richtkranz gesetzt wird. Foto: StadtA MA – ISG

Ein Richtfest wird gefeiert, wenn der Rohbau eines Gebäudes fertiggestellt ist, oder auch der Dachstuhl errichtet ist, daher kommt auch die Bedeutung des Wortes Richtfest, nämlich vom „aufrichten“ bzw. dem Aufstellen des Dachstuhls. Eigentlich ist es ein Fest für die Handwerker und aller am Bau beteiligten Firmen.

Für das Richtfest am Marchivum kamen an diesem Samstag die interessierten Mannheimer und Mannheimerinnen und vor allem Anwohner aus der Nachbarschaft. Denn die Gelegenheit, das neue Haus auch einmal von innen zu sehen, wollten sich viele nicht entgehen lassen.

Auch beim Richtfest schon zu sehen: die Fensterelement für die zwei zusätzlichen Stockwerke. Foto: Silvia Köhler

Auch beim Richtfest schon zu sehen: die Fensterelemente für die zwei zusätzlichen Stockwerke. Foto: Silvia Köhler

Über das große Interesse freuten sich die Mitarbeiter des Stadtarchivs, die Architekten vom Planungsbüro Schmucker und auch die GBG.

Richtspruch für das Marchivum

Für Max Wujanz von der Firma Softronic aus Mannheim, ist es das erste Mal, dass er den Richtspruch für ein Gebäude spricht. Er ist Lehrling im dritten Lehrjahr und hat in den vergangen Wochen im Bunker gearbeitet. Traditionell trägt er die Kleidung der Zimmerleute, z.B. die Weste mit den acht weißen Perlmuttknöpfen,  die die acht Arbeitsstunden symbolisieren.

Max Wujanz von der Firma Softronic wird verkablet, damit alle Besucher auf der Straße vor dem Bunker den Richtspruch vom DAchgeschoss aus auch hören können. Foto: StadtA MA - ISG

Max Wujanz von der Firma Softronic wird verkabelt, damit alle Besucher auf der Straße vor dem Bunker den Richtspruch vom Dachgeschoss aus auch hören können. Foto: StadtA MA – ISG

Bei der Firma Softronic ist es Tradition, dass die Lehrlinge den Richtspruch sprechen. „Wir machen das seit 20 Jahren so“, erklärt mir Florian Räsner, der Geschäftsführer. Er erklärt mir außerdem, dass das Richtfest eigentlich gefeiert wird, wenn die erste Dachsparre gesetzt wird. „Beim Marchivum ist es nun halt eine Stahlkonstruktion, die das Dach trägt. Aber das ist auch ok!“

Im Zentrum steht der Richtspruch, der den Dank an den Architekten, den Bauherrn und die Handwerker beinhaltet, aber auch um Gottes Segen für das Haus bittet. Nach jedem Dank trinkt der Sprecher ein Glas Wein und wirft das Glas am Ende des Richtspruchs auf das Dach. Wenn das Glas dabei zerspringt, ist dies ein gutes Omen für das Haus, wenn nicht, ein schlechtes. Als ich darüber lächle, erklären mir die Mitarbeiter von Softronic, dass sie sehr wohl Geschichten darüber erzählen können, was Häusern passiert ist, bei denen das Glas nicht zersprungen ist.

Das ist der Richtspruch:

Mit Gunst und Verlaub! / „Gott zum Gruß“, Ihr lieben Leut, /vielen Dank für euer Kommen heut! / Stolz bin ich der Zimmermann, / dass ich den Richtspruch sagen kann.

Das erste Glas gilt der Bauherrschaft!

Wir Handwerker meinen, wir haben unser Bestes getan./ Verehrte Gäste und Freunde, schaut‘ euch an! / Da wir den Richtkranz nun darüber erheben, / bitten wir noch unseren Herrgott um Segen.

Das zweite Glas für die Handwerker!

Eines wünsche ich Ihnen noch mit Verlaub, / kein Feuer und weniger Aktenstaub! / Dass die Arbeit in diesem Hause Freude mach! / Dass der Schutzengel immer über Sie wacht!

Das dritte Glas für das Haus selbst!

Das Glas zerschmettere im Grund,/ geweiht sei dieses Haus zur Stund!

Auf das Stadtarchiv ein Dreifaches Hoch, Hoch, Hoch

Ich frage Max Wujanz, ob für ihn der Richtspruch und auch die Arbeit in diesem Gebäude etwas Besonderes ist. Ja, auf jeden Fall, sagt er. Er sei mächtig stolz für dieses Gebäude den Richtspruch zu sprechen und hier zu arbeiten, das war auch „etwas Besonderes, weil man schon immer daran denkt, was für eine kriegerische Geschichte dieses Gebäude hat. Ich finde es mutig und toll, so einen Platz für ein Archiv zu nutzen.“

Führung über die Baustelle

Die erste Führung, gleich nach den Ansprachen. Foto: StadtA MA - ISG

Die erste Führung, gleich nach den Ansprachen. Foto: StadtA MA – ISG

Die Karten für die Führungen über die Baustelle waren im Nu verteilt. Alle nutzten die Gelegenheit, die Räume von innen zu sehen und vom Dach die tolle Aussicht zu bewundern. Viele der Besucher kennen das Stadtarchiv aus dem Collini Center und finden es toll, das das Stadtarchiv nun ein eigenes Gebäude erhält. Sie lassen sich genau erklären, wo in Zukunft die Aktenschränke stehen, wo die Büros sein werden und freuen sich, dass es einen Veranstaltungssaal und Lesesaal für die Öffentlichkeit geben wird.

Einmalige Sicht. Alle Besucher zücken das Handy und halten den Blick auf die Neckarstadt fest. Hoffentlich lenkt das bei den zukünftigen Vorträgen nicht zu sehr ab ;-). Foto: StadtA MA - ISG

Einmalige Sicht. Alle Besucher zücken das Handy und halten den Blick auf die Neckarstadt fest. Hoffentlich lenkt das bei den zukünftigen Vorträgen nicht zu sehr ab ;-). Foto: StadtA MA – ISG

Und dann gibt es auch immer wieder ergreifende Geschichten von Besuchern, die Zeitzeugen sind, heute weit über 70 und älter, die noch genau erzählen können, wie das war, als kleines Kind, nachts mit Kleidern im Bett und mit den gepackten Sachen daneben. „Und dann, wenn die Luftsirene losging, wurde das Bündel geschnappt und losgerannt zum Bunker.“

Beim Richtfest sollte auch an dieses Kapitel der Bunkergeschichte erinnert werden. Deshalb wurde in einem Nebenraum der Dokumentarfilm gezeigt, in dem Zeitzeugen ihre Erlebnisse in Kriegs- und Nachkriegszeit im Bunker schildern. Dies stieß ebenfalls auf großes Interesse.

Eine gelungene Veranstaltung für Mannheims Bürger.

Weitere Berichte zum Richtfest:

Hier finden Sie den Beitrag vom Mannheimer Morgen.

Hier finden Sie den Beitrag der Stadt Mannheim.

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