Bunker als künstlerisches Fotomotiv

Bunker sind auch für Künstler einen besonderen Blick wert. Auch für den Ludwigshafener Künstler und Fotografen Günther Wilhelm.

Poetisch wirkt es, dieses Bild: zart, fast idyllisch. Ein Motiv aus vergangen Zeiten? Nein! Der zweite Blick macht klar, dass es sich hier um ein Luftschutzgebäude handelt.

Der fünf-geschossige Hochbunker, 1941 gebaut, aus Sichtbeton mit Blendarkaden, steht in Ludwigshafen-West an der Valentin-Bauer-Str. 2. Günther Wilhelm hat ihn vor einigen Jahren mit einer analogen Kleinbildkamera fotografiert. Sein Atelier liegt nicht weit entfernt von dem Gebäude in der Hartmannstrasse 45, auf dem Hemshof. Dort beschäftigt sich der Künstler sich seit Mitte der 1970er Jahre mit unterschiedlichen Drucktechniken und alten, in Vergessenheit geratenen Druckverfahren für Fotografie.

Blick in das Atlier von Günther Wilhlem in der Hartmanstrasse 45 in Ludwigshafen. Foto: Silvia Köhler

Blick in das Atlier von Günther Wilhlem in der Hartmanstrasse 45 in Ludwigshafen. Foto: Silvia Köhler

Diese sogen. Edeldruckverfahren (heute auch oft als alternative Fotoprozesse bezeichnet) umfassen als Bezeichnung verschiedene Verfahren aus der Anfangszeit der Fotografie, die heute kaum noch einer kennt und beherrscht. Dabei werden unterschiedliche chemischer Prozesse mit Substanzen wie Bichromat oder Silberhalogeniden und deren Lichtempfindlichkeit genutzt.

Jedes Bild, das mit so einem solchen aufwendigen Verfahren entsteht, ist ein Unikat. Aus der originalen Aufnahme entsteht beim Herstellungsprozess der Druckvorlage ein neues Negativ.

Auch das Bild des Bunkers in der Rohrlachstrasse auf dem Hemshof ist in diesem Verfahren entstanden. Dieser Bunker wurde 1979 im Zuge der Sanierung des Hemshof kostenlos von Mitarbeitern der Maler-Innung farbig gestaltet – mit idyllischer Straßenszene und Reminiszenz an die Vorkriegszeit im Hemshof – kleinen Tante-Emma-Läden, einem Fuhrgeschäft, etc.

Bunker in der Rohrlachstrasse im Stadtteil Hemshof /Ludwigshafen

Bunker in der Rohrlachstrasse im Stadtteil Hemshof /Ludwigshafen. Der Druck entstand 2006. Foto: Günther Wilhelm

Durch den Druck erhielten die bunten Motive auf den Wänden eine nostalgische Sepia-Einfärbung. Aber diese scheinbare Nostalgie trügt: Denn schon der angeschnittene Blickwinkel und die Straßenlaterne aus den 70er Jahren zeigen – wir befinden uns ganz im Hier und Jetzt.

Günther Wilhelm hat sich 2013 übrigens fotografisch auf die Spurensuche des Kalten Kriegs gemacht und aufgegebene US-Liegenschaften in Rheinland-Pfalz erkundet. Mit Rüdiger Müller aus Köln, hat er im Doku-Center Ramstein seinen Blick auf die die Husterhöhe in Pirmasens, die Air Base in Sembach und die Wüschheim Air Station im Hunsrück ausgestellt. (Wir werden darüber noch berichten).

Wen die Arbeitsweise von Günther Wilhelm interessiert und wer einen Blick in das Atelier von ihm werfen will, dem empfehlen wir den Beitrag von Artmetropol-TV vom Juni 2015.

https://artmetropol.tv/videos/beitraege/2014/guenther-wilhelm.html

Kommentare

  1. 47Hallo Britta,

    wow, da steckt aber einige Recherchearbeit drin. Alle Achtung. Ich hab’s mit Interesse gelesen und werde sicher wieder reingucken.

    Viele Grüße

    Ilona

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