Vom Bunker zum Kulturforum: Der kulTurm in Ludwigshafen

Ursprünglich als Schutzbunker für die Bewohner Ludwigshafens gebaut, dient der ehemalige Bunker 23 in der Rollesstraße heute als Café, Galerie und Club. Mit der neuen Nutzung hat er auch einen neuen Namen erhalten: „kulTurm“

Der „Rollesbunker“ in Ludwigshafen hatte nicht nur schon viele Namen, sondern auch die unterschiedlichsten Nutzungen. Heute dient er mit seinem Café, dem Club und auch der Aussichtsplattform mit Blick über die Stadt Kulturinteressierten als Anlaufpunkt für entspannte Abende. Bei schönem Wetter lockt zudem der Turmgarten mit seinen Terrassen, der den ehemaligen Bunker umgibt.

Doch die heutige Form und Nutzung entspricht nicht mehr der Intention der Stadt Ludwigshafen des Jahres 1942. Der oktogonale Bunker Nummer 23 wurde während des zweiten Weltkrieges in der Nähe der BASF-Kolonie gebaut und diente den Bewohnern Ludwigshafens als Schutz. Zu dieser Zeit bestand der Bunker nur aus seinem oktogonalen Grundbau, der heute durch seine ockerfarbenen Gestaltung zu erkennen ist. Während des zweiten Weltkrieges fanden dort bis zu 2000 Personen Schutz.

Der ehemalige Bunker während der Entstehung des Wasserturms. Fotomontage: Bernd Albert

Der ehemalige Bunker während der Entstehung des Wasserturms. Fotomontage: Bernd Albert

Nach Kriegsende, Anfang der 50er Jahren, diente der Bunker zunächst, wie der Schlossbunker Mannheim [wir berichteten], als Hotel und trug den Namen „Turmhotel Bürgerbräu“.

Doch bereits 1953 stockte die Stadt Ludwigshafen den Bunker auf und machte ihn so zu einem Wasserturm, der über 2 Millionen Liter Wasser fasste. Diese Erweiterung ist auch heute noch durch die rote und weiße Farbe des Backsteins gut zu erkennen.

Der deutliche Kontrast zwischen dem roten Stein und dem ockerfarbenen Beton entstand jedoch erst 1975. In diesem Jahr gab der Farbgestalter Friedrich Ernst von Garnier dem Beton der unteren Hälfte des Bunkers mit den Farbflächen in verschiedenen Abstufungen sein heutiges Aussehen.

Der bunte Beton unterscheidet sich heute deutlich vom Aufsatz des Wasserturms. Foto aus: www.rhein-neckar-industriekultur.de, Foto: Barbara Ritter

Der bunte Beton unterscheidet sich heute deutlich vom Aufsatz des Wasserturms. Foto aus: www.rhein-neckar-industriekultur.de, Foto: Barbara Ritter

Von Garnier gilt als „Farbphilosoph“, der mit seiner Kunst Industrie- und sozialen Wohnungsbauten ein neues, farbiges Aussehen verleiht. Am Ludwigshafener Bunker arbeitete der Farbgestalter ohne vorherigen Entwurf. Zu der Gestaltung schreibt von Garnier in seinem Buch „Meine farbige Welt“: „Die Farbe respektiert den alten Bunker mit seiner verhauenen Haut, der Schmutz gab hier die Gestaltung vor“. Mit dieser Integration der Geschichte des Bunker in die neue Gestaltung wurde der Rollesbunker zu einem „Klassiker“ und einem Paradebeispiel für die Farbgestaltung von Garniers.

So umgestaltet bestand der Bunker weiter als Wasserturm, bis er schließlich 2001 stillgelegt wurde. In diesem Jahr begann auch sein Umbau zum kulTurm. Bis dieser am 5. April 2008 bei der „Langen nach der Museum“ sein Debüt feierte, entstanden im Innenraum das genannte Café, der Club und ein ansprechender Außenbereich.

Heute erstreckt sich der kulTurm vom Turmgarten bis zur Aussichtsplattform. Wie die Nutzung des Bunkers über die Jahre, ist auch das Programm des kulTurms, das von Theaterabenden über Kunstausstellungen und Konzerten bis hin zu der Hochzeitsmesse „Mary Me“ Vieles zu bietet hat, sehr abwechslungsreich. Somit findet der alte Bunker 23 mit seiner aktuellen Nutzung einen neuen Platz im Stadtbild Ludwigshafens.

Link zur Homepage kulTurm

 

Quellen:

„KulTurm- ehem. Wasserturm und Bunker in Ludwigshafen“, von Barbara Ritter (www.rhein-neckar-industriekultur.de)

Garnier, Friedrich Ernst von: Meine farbigere Welt. Ein ganz sachlicher Sachbeitrag … … aber was ist die Sache? Bad Kreuznach 1996.

 

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