Bunker in London

Die U-Bahn-Stationen Londons boten während des Zweiten Weltkrieges für viele Menschen Zuflucht vor den deutschen Bomben. Aber es gab auch andere Luftschutzanlagen.

Die U-Bahn-Stationen wurden jedoch nicht als eine dauerhafte Lösung angesehen und unter dem Druck der stärker werdender Luftangriffe beschloss die Stadt den Bau großer Luftschutzanlagen. Diese waren auf eine Gruppe von bis zu 8000 Menschen ausgelegt und mit Betten und Kantinen ausgestattet. Sie wurden strategisch so geplant, dass sie nach dem Krieg für eine Erweiterung des U-Bahn Netzes genutzt werden könnten, aus diesem Grund hatten sie die Form von Tunneln. Insgesamt wurden sieben dieser Bunker geplant, gebaut und waren im Jahre 1943 einsatzbereit.

Die Tummelform sollte die Nutzung nach dem Krieg erleichtern. Foto: Growing Underground

Die Tummelform sollte die Nutzung nach dem Krieg erleichtern. Foto: Growing Underground

Genutzt wurden sie jedoch vorerst nicht, nur vier wurden geöffnet: in einem wurde ein Generalstab eingerichtet, zwei dienten der Unterbringung der Regierung und in einem weiteren fanden amerikanische Soldaten ihr Quartier. Der Grund für diese zweckfremde Nutzung waren die Ängste vor den Unkosten, die mit der Unterhaltung solch riesiger Bunker einhergehen würden, sobald sie erst einmal dauerhaft offen wären.

1944 gab die Regierung dem öffentlichen Druck nach und öffnete die Bunker für die Bevölkerung, die hier nicht nur nachts Zuflucht suchten, sondern in den Bunkern auch Notunterkünfte vorfanden.

Wie in allen ausgebombten Städten waren auch in London Tausende ohne Unterkunft und so erwies sich die Größe der Bunker als Vorteil. So waren deutsche Bunker häufig überfüllt, die höchste Auslastung in London betrug mit knapp 12.300 Personen allerdings gerade mal ein Drittel des Maximums.

Die Bunker in London waren, glücklicherweise, nie ganz ausgelastet. Foto: Growing Underground

Die Bunker in London waren, glücklicherweise, nie ganz ausgelastet. Foto: Growing Underground

Nach dem Krieg diente einer der Bunker als Telefonzentrale, doch mit der technischen Entwicklung wurde auch diese Nutzung überflüssig. Zudem stellte sich heraus, dass nur drei der sieben Bunker für weitere U- Bahn Linien geeignet sind. Einige der verbleibenden Bunker werden heute als Lagerstätte genutzt, auch als Archiv.

Einer dieser acht riesigen, tunnelförmigen ehemaligen Zufluchtsorte ist heute im Rahmen von Touren wieder der Öffentlichkeit zugänglich. Somit reiht er sich ein die weltweite Gruppe der Bunker, die an Zeiten des Krieges erinnern und als Mahnmal dienen, da ihre ursprüngliche Funktion glücklicherweise nicht mehr gebraucht wird.

Manche Bunker sind heute für Besucher zugänglich. Foto: Growing Underground

Manche Bunker sind heute für Besucher zugänglich. Foto: Growing Underground

Doch einer der Bunker hat es geschafft, die Branche zu wechseln, er steht nicht leer und hier fahren auch keine Züge, sondern hier unten wächst Gemüse.

Genauer gesagt sogenannte „microgreens“ also Keimpflanzen. Diese Sprösslinge sind besonders bei Sternerestaurants beliebt und werden sowohl zur Dekoration als auch als reguläre Zutat verwendet. Das Besondere an ihnen ist der sehr intensive Geschmack, der u.a. der frühen Ernte zu verdanken ist, denn die Keimpflanzen werden teilweise schon nach 12 Tagen weiterverarbeitet. Für Zero Carbon Food ist das einer der Gründe, sich gerade auf diese Art Grünzeug zu spezialisieren, denn alles, was länger als 30 Tage im unterirdischen Gewächsbunker gepflegt werden muss, ist wirtschaftlich nicht tragbar.

Keimpflanzen aus unterirdischem Anbau. Foto: Zero Carbon Food

Keimpflanzen aus unterirdischem Anbau. Foto: Zero Carbon Food

Die Gründer bauen somit auf eine Nische: Frische Produkte mit geringer Transportdistanz werden mithilfe modernster Technik unter der Erde angebaut und nach der Ernte einfach ein paar Stockwerke höher und zum nächsten Restaurant gebracht. Erde braucht es hierzu nicht, die Setzlinge reifen in einer Nährlösung statt in nährstoffreichem Boden und werden täglich 18 Stunden von LED – Leuchten mit künstlichem Licht versorgt.

Laut Produzenten braucht es hierzu 70% weniger Wasser als bei herkömmlichen Herstellungsverfahren und praktisch ist es auch. So werden die Boxen in denen die Keimpflanzen reifen in aufgereihten Regalen gelagert und müssen zum Transport nicht einmal umgesetzt werden. Bei voller Auslastung können hier auf 550 m² 200 Boxen geerntet werden – und das an nur einem einzigen Tag. Die Besitzer hoffen zudem, das Geschäft noch weiter ausbauen zu können und experimentieren außerdem mit neuen Pflanzen – zur Freude der Londoner Küche. Wir wünschen einen guten Appetit und sagen: clever!

Anbaufläche der Keimpflanzen. Foto: Zero Carbon Food

Anbaufläche der Keimpflanzen. Foto: Zero Carbon Food

 

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