Keine Sprinkleranlagen im Marchivum

Brandschutz ist insbesondere bei öffentlichen Gebäuden ein wichtiges Thema. Die Diplom-Ingenieurin Anja Rammhold berichtet von den Maßnahmen zum Brandschutz im neuen Marchivum.

„Durch die feuerbeständige Wand dürfen Leitungen nicht ohne brandschutztechnische Sicherungsmaßnahmen hindurchgeführt werden“, sagt Anja Rammhold bei einer Inspektion der Marchivum-Baustelle. „Im Brandfall könnten hier Feuer und Rauch durchkommen.“ Die Diplom-Ingenieurin, die für die Brandschutz-Vorkehrungen des zukünftigen Marchivums zuständig ist, macht eine Notiz auf ihrem Tablet-Computer und schießt ein Foto der Brandschutzwand. Der Bauleiter der Bunkerbaustelle und der Projektleiter nicken und notieren.

Die Brandschutz-Fachplanerin Anja Rammhold bei ihrem Termin im Marchivum. Foto: StadtA MA – ISG

Brandschutz bei einem Bunker-Umbau ist eine besondere Angelegenheit, denn was nicht vergessen werden darf, ist so offensichtlich und doch versteckt. „Ein Bunker ist komplett dicht, denn sein eigentlicher Zweck ist es, nichts von außen nach innen gelangen zu lassen“, erklärt die Brandschutz-Expertin. Nach einem Brandfall muss der Rauch jedoch von innen nach außen abgeführt werden können – also genau umgekehrt. Daher wurden extra ein Lüftungssystem und eine Entrauchungsanlage geschaffen. „Die Menge an Rauch, die bei einem Brand entsteht, kann sich ein Laie nur schwer vorstellen. Es ist zum Beispiel ungewiss, ob die Feuerwehr ohne die Entrauchungsanlage innerhalb eines Tages den Rauch aus dem Bunker bekommen könnte.“

Der Bauplan zeigt die Einteilung in die zwei Nutzungseinheiten. Die rote und lila Linie zeigen feuerfeste Wände an. Foto: StadtA MA – ISG

Papier brennt schwerer als gedacht

In das neue Marchivum ziehen nicht nur Angestellte des Stadtarchivs um, sondern auch eine Menge an Papier, das sich auf die vier Etagen an Magazin-Fläche verteilt. Doch Rammhold macht schnell klar, dass das keine besondere Gefahr ist: „Je dichter Papier gestapelt wird, desto schwerer brennt es. Versuchen sie mal, einen Stapel Kopierpapier anzuzünden, das ist schwerer als gedacht.“ Gefahr gehe vor allem von Räumen aus, in denen sich viele Menschen bewegen oder sich Technik befinde. Daher ist der vorbeugende bauliche Brandschutz, den Rammhold mit ihren Kollegen von Bureau Veritas und das Baustellen-Team des Marchivums in Zusammenarbeit mit der Mannheimer Feuerwehr betreiben auch so wichtig. Baulicher Brandschutz bedeutet die Erreichung der drei Schutzziele: keine Personenschäden, wirksame Behinderung der Brandentstehung und –ausbreitung sowie bestmöglichste Unterstützung eventueller Einsätze der Feuerwehr. Da gibt es Blitzableiter, Brandschutzklappen, trockene Steigleitungen (für die Feuerwehr eingebaute Löschwasserleitungen) und die Brandschutzwände in jedem Stockwerk.

Anja Rammhold hat ein Auge für Details. Foto StadtA MA – ISG

„Pro Geschoss haben wir über 800 Quadratmeter Fläche, bauordnungsrechtlich müssen in diesem Gebäude jedoch Nutzungseinheiten abgetrennt werden. Daher ist jedes Geschoss durch raumabschließende Wände, welche einem Brand mindestens 90 Minuten lang Stand halten, in zwei Flächen von cicra 400 Quadratmetern unterteilt“, erklärt Rammhold. Bei einem Brand schließen sich die Feuerschutztüren in den Trennwänden automatisch. „Im Zweifel soll erreicht werden, dass hierdurch immer nur eine Nutzungseinheit vom Brand betroffen ist“, so Rammhold.

Genügend Fluchtwege vorhanden

Sprinkleranlagen wird es im gesamten Marchivum nicht geben, denn Wasser würde die wichtigen Dokumente des Archivs zerstören: „Sprinkleranlagen sind hier aber nicht nötig – weder rechtlich, noch um die gesetzlichen Schutzziele zu erreichen.“ Ein viel wichtigeres Thema sind die Fluchtwege, wofür die zwei bestehenden Treppenhäuser genutzt werden. Für 200 Menschen schreibt das Bauordnungsrecht 1,20 Meter Rettungswegbreite vor. „Da gibt es im Marchivum keine Probleme, da die Bunker-Treppenhäuser bereits groß dimensioniert sind. Daher hat uns der Vortragsaal im sechsten Stockwerk auch vor keine Herausforderungen gestellt“, erklärt sie.

In der Ecke werden bald Steigleitungen – Löschwasserleitungen – für die Feuerwehr anegebracht. Foto StadtA MA – ISG

„Brandschutz ist komplett objektspezifisch“, erzählt Rammhold. Die Landesbauordnung definiert Schutzziele, die erreicht werden müssen. Dafür gibt es Maßnahmen, die für die Erreichung notwendig sind, und andere, die optional sind. „Wir müssen immer darüber nachdenken, ob die Regeln des Bauordnungsrechts für unser Objekt risikogerecht sind. Manchmal müssen höhere Anforderungen gestellt werden und manchmal kann auch von Anforderungen abgewichen werden.“ Brandschutz für das Marchivum, das bedeutet Genauigkeit und Sorgfalt, dafür arbeiten Rammhold und das Baustellen-Team.

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