Frankfurt: Kultur in und auf dem Bunker

Im Osthafen Frankfurts, versteckt zwischen Containern, Lagergebäuden und LKWs  gibt es einen sogen. Kulturbunker.

Ein bisschen sticht dieser graue Klotz mit einer modernen Aufstockung aus Holz und Stahl zwischen den dekorationslosen, riesigen Nachbargebäuden heraus. Auch, weil der Eingang etwas versteckt und das Treppenhaus noch im Originalzustand erhalten ist.

Bis zum Jahr 2002 endete diese Treppe auf dem Dach des Bunkers aus den 1940er Jahren. Anfang dieses Jahrtausends wurde dann eine Baufälligkeit des Daches festgestellt. Ein Abriss kam aus Kostengründen nicht infrage, zudem ist Wohnraum in Frankfurt Mangelware sodass sich die Stadtverwaltung für eine Aufstockung entschloss. Somit wurde aus der Not eines baufälligen Daches eine Tugend: Zusätzliche Nutzfläche für weitere Künstlerateliers als auch das Institut für neue Medien.

Foto: Julia Friedrich

Foto: Julia Friedrich

Die Planung und Durchführung wurde an das Architektenbüro Index Architekten übertragen, die vor allem mit dem Budget zu kämpfen hatten. Daraus ergab sich, dass „man sowieso schon elementar plante“, so Sigrun Musa von Index Architekten. So sei es am wichtigsten gewesen, eine Balance zu finden zwischen dem „aufs Notwendige reduzierte“ Stil und einem architektonischen Konzept.

Weitere Herausforderungen erwuchsen z.B. aus der Statik des Bunkers, die bei vielen Bunkern bei Bau aufgrund des aufziehenden Krieges vernachlässigt wurde und gerade so auf den geplanten Bunker ausgelegt war.  Ein weiteres Problem stellten heutige Feuerschutzvorschriften dar, die in einem Industriegebiet nochmals strenger sind.  Das Ergebnis ist eine luftige Aufstockung, die eine Brücke schlägt zwischen der Vergangenheit und der industriellen Gegenwart, eine Interpretation die auch den wenigen Vorgaben geschuldet ist und in mehreren Preisen Ausdruck findet.

Umlaufende Erschliessung der Aufstockung. Foto: Julia Friedrich

Umlaufende Erschliessung der Aufstockung. Foto: Julia Friedrich

Heute beheimatet die Bunkeraufstockung in seinen zwei Stockwerken mehrere Künstlerateliers sowie das Institut für Medien (INM). Die Konstruktion ist komplett von einer Art kleinen Terrasse, einem Umlauf um den gesamten Aufbau aus Gitterrost umfangen, nichts für Menschen mit Höhenangst, also.Wer aber den Blick geradeaus richtet, kann einen fantastischen Blick in die Ferne genießen und realisiert, dass die Wahl des Materials zusammen mit den bodentiefen Fenstern ein luftiges Gefühl von Freiheit vermittelt.

Hier oben werde ich von Tania Kahn und dem Direktor des Instituts Michael Klein empfangen, der mir zu erklären versucht, was Neue Medien genau sind und worin ihre Arbeit hier besteht.

Hängestühle im obersten Stock und Blick über Frankfurt inklusive. Foto: Julia Friedrich

Hängestühle im obersten Stock und Blick über Frankfurt inklusive. Foto: Julia Friedrich

Meine erste Erkenntnis: Neue Medien sind abhängig von ihrem historischen Kontext und können somit keine feste Definition haben. Angefangen bei Videokonferenzen, die vor 22 Jahren noch als revolutionär galten bis hin zum aktuellen Diskurs zur künstlichen Intelligenz. Zweitens: Das Institut für Medien ist Forschungsstätte und kulturelles Zentrum, es vereint neueste Theorien mit seiner Umgebung indem nicht nur die ansässigen Künstler in den tieferen Etagen einbezogen, sondern auch die Räumlichkeiten für auswärtige Veranstalter zur Verfügung gestellt werden.

Konferenzraum. Foto: Julia Friedrich

Konferenzraum. Foto: Julia Friedrich

Während des Gespräches wird vor allem klar, dass der Bunker nicht nur eine neue Funktion, sondern auch eine neue Form gefunden hat.

Es geht bei dem Kulturbunker Frankfurt nicht nur um Raum, in dem Musiker ihre Nachbarn nicht stören und wo Künstler zu annehmbaren Preisen Ateliers mieten können. Stattdessen ist der Bunker mit seiner Aufstockung zu einem Symbol für Forschung und kulturelle Zusammenarbeit geworden, eine Rolle die architektonisch sehr gelungen ausgedrückt wird.

Rückansicht Kulturbunker. Foto: Julia Friedrich

Rückansicht Kulturbunker. Foto: Julia Friedrich

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