Helles oder dunkles Grau?

3.500 qm Fläche am Bunker erhalten einen neuen Farbanstrich – und die Auswahl der Farbe war gar nicht so einfach ….

Eigentlich denkt man als Normalbürger ja, das kann nicht so schwer sein: Farbe aussuchen, Gerüst stellen und dann der Anstrich. Schnell erledigt. Aber nein, nicht bei solch einem Objekt, dessen Oberfläche im Lauf der Jahrzehnte viele Farbversiegelungen erhalten hat: Nach dem Bau 1943 blieb keine Zeit mehr für einen Anstrich. Was man damals sah, war die reine Betonfassade. In den 1980er Jahren, mit dem Innenleben als Atomschutzbunker gab sich das Gebäude leicht poppig angehaucht  im Flower-Power-Stil mit einem leichten lila-grauen Ton. Dann erfolgte 2010 der blau-graue Anstrich.

Jörg Deffner von Schmucker und Partner hat sich ausführlich mit den verschiedenen Farbgebungen des Bunkers beschäftigt und vertritt ein klares Farbkonzept, damit man den ursprünglich historischen Bau und die verschiedenen Anbauten unterscheiden kann. Foto: StadtA MA – ISG

Und diese Anstriche müssen jetzt erst einmal weg, erklären uns Jörg Deffner und Heinrich Fay von Schmucker und Partner im Gespräch vor Ort. Denn diese Oberfläche ist gar nicht gut fürs Klima, nicht atmungsaktiv. Nicht anders als bei der Kleidung: Wenn die warme Luft nicht nach Außen austreten kann, bilden sich irgendwann kleine Bläschen an der Farboberfläche und die Farbe löst sich ab.

Verstanden! Doch wie entfernt man diese Schichten? Da gibt es verschiedene Verfahren von Hochdruck, Trockeneis und Abbeizen.

Letztendlich wird es eine Mischung aus mehreren Verfahren. Zuerst werden die Flächen Stück für Stück mit einem Abbeizverfahren behandelt. Die Abbeize wird aufgetragen, mit Folie abgedeckt, damit sie einwirken kann und nicht so schnell trocknet. Beim Abziehen der Folie geht ein großer Teil der Farbe schon ab und der Rest verschwindet bei der Reinigung mit einem Hochdruckverfahren, aber nur mit max. 60 Bar. Alles andere ist zu stark und würde die Betonoberfläche beschädigen.

Heinrich Fay von Schmucker und Partner erläutert das Abbeizverfahren an einem Testversuch. Foto: StadtA MA – ISG

Das Abbeizen erfolgt von unten nach oben, Feld für Feld. Das Reinigen mit dem Hochdruckreiniger von oben nach unten. Das Wasser wird in Folienrinnen am Boden aufgefangen und abgepumpt. Die abgebeizte Farbe wird in eine Sedimentationsanlage gepumpt und entsorgt.

Schon die Vorbereitung für das Auffangen des Abwassers der Hochdruckanlage. Foto: StadtA MA – ISG

Und welche Farbe kommt nun?

Das wurde dann doch eine längere Diskussion, lässt Jörg Deffner durchblicken. Am liebsten wäre ihm der ursprüngliche Habitus gewesen. Aber der verschwand in den vielen Renovierungsprozessen unter verpressten, abgedichteten, verspachtelten Zement. Auch um die Querschläger aus dem Beschuss im Zweiten Weltkrieg, die Dehnungsfugen und Schwindrisse  verschwinden zu lassen.

Könnte man die Oberfläche nach dem Abbeizen und dem Hochdruckreinigen nicht einfach so lassen, wie sie sich dann darstellt, frage ich.  Eigentlich ja, mein Jörg Deffner, aber die Oberfläche wäre dann zu inhomogen.

So entschieden sich der Bauträger (GBG), das Architekturbüro und das Stadtarchiv für eine Lasur, die zu 80-90% deckend ist, unter der man aber immer noch den Grundton der historischen Fassade ausmachen kann.

Außerdem ist es den Architekten ein Anliegen, mit dem Anstrich nicht nur den Aufbau optisch sichtbar abzuheben, sondern auch den angebauten Sandfilter, der beim Umbau zum Katastrophenschutzbunker bis zum dritten OG den Effekt der schlanken Treppentürme zerstörte. Man soll die Umbaumaßnahmen von der Entstehungszeit bis heute an der Fassade ablesen können.

Werden leider auch verschwinden und damit auch ein Stück Zeitgeschichte: Die vielen Graffitis an den Wänden. Foto: StadtA MA – ISG

Vier bis sechs Wochen sind für den Anstrich eingeplant. Zieltermin ist Ende Juli. Dem Efeu an der Hauswand vor dem Eingang ging es schon an den Kragen – seine Wurzeln wurden gekappt, er ist in den letzten Monaten abgestorben, wird jetzt entfernt und die restlichen Pflanzenteile abgeflammt.

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