Bauzäune auf!

Im Rahmen des Tages der Städtebauförderung öffnete das Marchivum letzte Woche schon einmal seine Tore – auch wenn diese noch mit grauer Folie abgeklebt sind – um die Baustelle der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Bei fast durchgehend strahlendem Sonnenschein wurde das Angebot sehr gut angenommen – 250 Besucher fanden den Weg zum Marchivum.

Es war ein buntes Publikum, das sich am Samstag an der Baustelle in der Helmholtzstraße einfand: Von Familien mit Kindern über Studenten bis hin zu älteren Herrschaften war alles vertreten. Auf Nachfrage gaben viele an, dass sie einen Bunker von innen sehen wollten, aber auch viele Anwohner der Neckarstadt waren gekommen, um sich das Projekt in ihrer Nachbarschaft einmal genauer anzusehen.

Insgesamt neun Gruppen wurden von Mitarbeitern des Stadtarchivs durch die Baustelle geführt, die mit einem solchen Andrang von ca. 250 Personen nicht gerechnet haben und spontan zusätzlichen Führungen anboten.

Grosses Interesse bei den Führungen durch die Räume des Marchivums. Foto: StadtA MA – ISG

Seit der Umbau des Hochbunkers im Mäz 2016, neben der Jungbuschbrücke am Rande der Neckarstadt, begann, ist einiges passiert, so hat der Bunker zum Beispiel zwei neue Stockwerke hinzugewonnen. Vor der Fassade, die derzeit durch eine Installation der Münchner Künstlerin Sabine Kammerl bereichert wird, wurde die geplante äußere Veränderung erläutert.

So ist der Standort Neckarstadt West ganz bewusst und nicht trotz der teilweise negativen Konnotation des Stadtteils, sondern gerade deswegen gewählt worden: Das Marchivum will „einen Beitrag leisten den Stadtteil aufzuwerten“, wie Dr. Andreas Schenk erklärt, und auch vor dem Hochbunker, wo jetzt noch Gestrüpp und Bauzäune stehen, sollen Bänke und Raum für Veranstaltungen entstehen.

„Da hinten sieht man doch …“ – die Aussicht auf Neckarstadt bis hin zum Odenwald wurde ausgiebig kommentiert. Foto: StadtA MA – ISG

Im Bunker selbst war dann die Phantasie der Besucher gefordert: Noch sind die Wände kahl, es hängen Kabel von den Decken, und der Boden ist abgedeckt. Dennoch, die Essenz des Gebäudes, der Luftschutzbunker ist noch immer spürbar und soll es auch bleiben, denn obwohl hier u.a. eine Ausstellung zur Mannheimer Stadtgeschichte Einzug halten wird, so soll der Bunker doch sichtbar bleiben. Um dies zu verdeutlichen, wurden neu eingezogene Wände rot gestrichen, sodass auch zukünftige Besucher sich noch ein Bild der riesigen Grundfläche machen können.  Auch Türen bzw. Türöffnungen erhalten die Erinnerung an die ursprüngliche Nutzung des Bunkers – teilweise wurden Zugänge durch den bis zu ein Meter dicken Beton gefräst. Ein beeindruckendes Bild und Beweis für die ausgefallene Technik die bei einem solchen Umbau zum Einsatz kommt.

Besonders interessiert zeigten sich die Besucher in Bezug auf die Zugänglichkeit zum Bunker und zukünftigen Marchivum. Das Marchivum will mehr als nur Stadtarchiv sein und ganz aktiv gegen das verstaubte und bürgerferne Klischee des Archivs angehen.

So wird im Erdgeschoss eine Ausstellung zur Stadtgeschichte beginnend mit der Gründung der Stadt Mannheim entstehen, im zweiten Stockwerk wird ein NS-Dokumentationszentrum Einzug halten. Was künftige Besucher angeht, hat sich das Stadtarchiv das ehrgeizige Ziel gesetzt, dass „jeder Schüler während seiner Laufbahn einmal hier war“ (Dr. Schenk). Darüber hinaus wurde nochmals darauf hingewiesen, dass sowohl im aktuellen Standort als auch im Marchivum die Möglichkeit besteht, als Laie Akten und Dokumente einzusehen – natürlich unter Beachtung von Datenschutzrichtlinien.

Foto: StadtA – MA – ISG

Im Bunker werden diese im sogenannten Magazin gelagert – hierfür ist ein Bunker geradezu ideal. Da es kein Licht gibt, und Decken und Wände sehr dick sind, ist es vergleichsweise einfach Luftfeuchtigkeit und Temperatur stabil zu halten und somit eine optimale Aufbewahrung der Dokumente zu gewährleisten, wie Dr. Schenk erklärt. Zur Lagerung sind das dritte und vierte Stockwerk vorgesehen – wobei hierzu nicht einmal die Decken verstärkt werden mussten, da die oberen Decken eines Bunkers zum Schutz vor Bomben die Dicksten waren. Nun kommt es auf eine gleichmäßige Verteilung des Gewichts an, was die Mitarbeiter vor eine ziemliche Herausforderung stellt, denn klassische Sortierungssysteme zur Ordnung der Archivalien müssen das Gewicht der jeweiligen Dokumente beachten. Wer diese dann einsehen möchte, der kann dies zukünftig im Lesesaal im sechsten Stockwerk des Marchivums tun – hier gibt es auch Tageslicht, da die letzten beiden Stockwerke nicht Teil des ursprünglichen Gebäudes sind, sondern zusätzlich aufgesetzt wurden.

Die Rückmeldungen waren durchweg positiv, so wurde die Führung als „ganz toll“ und „sehr interessant“ bewertet und es werden wohl einige zur Eröffnung wiederkommen.

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