Das ist meine Geschichte …

Das Marchvium wird zum „Eyecatcher“: 14 leuchtende Augenpaare im Rahmen einer Installation der Künstlerin Sabine Kammerl erhellen die Mannheimer Nacht.

Seit zwei Wochen wird der Ochsenpferchbunker von einer temporären Lichtinstallation der Münchner Künstlerin Sabine Kammerl geschmückt, welche speziell für den Bunker des Stadtarchivs konzipiert wurde und seine Frontfassade nun für einige Zeit zur Kunstfläche verwandelt.

Installation von Sabine Kammerl am Bunker. Foto: T. Stärk

Die Installation zeigt Augenpaare von Personen, welche in Mannheim lebten, leben oder in enger Verbindung zu Mannheim standen oder stehen. Die ausgewählten Personen sind also nicht nur ein Teil Mannheims Geschichte, sondern Mannheim ist auch ein Teil ihrer eigenen persönlichen Geschichte.

Das ist meine Geschichte lautet der Titel der Installation und leuchtet als Schriftzug inmitten der Augenpaare hervor.

Die Idee für die Installation entstand in intensiver Beschäftigung mit dem Stadtarchiv und der Stadtgeschichte Mannheims. Im Gespräch mit dem Marchivum-Blog erzählt die Künstlerin darüber hinaus, dass ihre Projekte stets ganz speziell für Orte und ihre besondere Funktion entstehen.

Foto: T. Stärk

Für das Projekt wählte sie ausdrucksstarke Blicke von Menschen aus, die die Geschichte Mannheim prägten und prägen. Bekannte Persönlichkeiten wie Kurfürst Karl Theodor, Arthur Schopenhauer,  und Luise von Degenfeld, Ehefrau desKurfürsten Karl I Ludwig von der Pfalz,sind vertreten. Auch Sepp Herberger, Fußballlegende aus Mannheim, sowie der Erfinder des Automobils in Mannheim Carl Benz sind wiedergegeben, ebenso dessen couragierte Frau Berta, die 1888 die erste Langstreckenfahrt mit der Erfindung ihres Mannheims unternahm, indem sie von Mannheim nach Pforzheim und wieder zurück fuhr.

Foto: T. Stärk

Bei der Auswahl der Personen war der Künstlerin aber auch wichtig, dass wenig oder kaum bekannte Personen und Vertreter verschiedener Generationen, Epochen und Stände vertreten sind.  So zum Beispiel Mable Grammer, genannt Mommie Mable: Die Amerikanerin, mit afroamerikanischen Wurzeln, adoptierte 12 sogenannte „brown babies“, die nach dem Zweiten. Weltkrieg in Mannheim geboren wurden, jedoch oft keine Wunschkinder waren. Sie ermöglichte diesen Kindern ein sorgloses Aufwachsen und eine gute Bildung in den USA.

Oder Alfred Delp, dessen Namen man schon eher kennt, weil in Mannheim ein Studentenwohnheim, eine Schule und eine Straße nach ihm benannt sind. Der katholische Priester, 1907 in Mannheim geboren, war in der NS-Zeit Mitglied des Kreisauer Kreises im Widerstand gegen den Nationalsozialismus, am 2. Februar 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Vor allem bei Dunkelheit sehr beeindruckend … Foto: StadtA MA – ISG

Die Blicke dieser Menschen und somit auch ihre Geschichten scheinen die Mauern des Stadtarchivs zu durchdringen und strahlen nach außen in die Nacht. Der Eindruck entsteht, als ob die schweren grauen Bunkermauern durch die Blicke dieser Menschen durchlässig würden.

Ganz bewusst werden nicht Portraits der ausgewählten Personen gezeigt. Die Augen allein ermöglichen keine einfache Identifizierung. Die Blicke blieben für die Betrachter rätselhaft, so wie jede Biographie letztlich voller Rätsel bleibt. So könnten Fragen entstehen wie: Was haben diese Augen, die mich anblicken in ihrem Leben selbst gesehen? Was ist ihre Geschichte?

Das ist meine Geschichte

Dieser Satz leuchtet in geschwungener Handschrift zwischen den monochromen Augenpaaren hervor. Jede der Personen hinter den Augenpaaren könnte diesen Satz sagen. Jede von ihnen hat eine andere Geschichte. Der Satz kann auch die Frage im Betrachter auslösen „Was ist meine eigene Geschichte?“

Sabine Kammerl betont, dass ihre Arbeit Interaktion mit dem Betrachter sucht. Wenn Kunst zum Nachsinnen, möglicherweise auch zur Selbstreflektion anrege, habe sie viel erreicht. Schließlich beeinflusse jeder durch sein Wesen, seine Talente und sein Tun sein Umfeld und seine Stadt, so die Künstlerin.

Sabine Kammerl vor der fertigen Installation. Foto: T. Stärk

„Ich freue mich immer, wenn Orte durch meine Arbeiten gestärkt und hervorgehoben werden…“ erzählt Sabine Kammerl beim Gespräch vor dem Gemäuer des Hochbunkers „…wenn die Orte etwas Zusätzliches bekommen, das attraktiv ist, das ihre Anziehungskraft erhöht, Interesse und Neugier weckt. Kunst darf auch einfach schön sein. Das ist meine Geschichte ist eine eher ruhige Arbeit, die nachdenklich machen soll, aber hoffentlich darüber hinaus durch ihre Ästhetik neugierig macht und Freude bereitet.“

Die Installation wird solange wie möglich am Ochsenpferchbunker bleiben. Erst wenn das Gerüst, an dem das Werk installiert ist, in einigen Monaten abmontiert werden wird, werden leider auch die Augenpaare aufhören in die Mannheimer Nacht zu leuchten.

Auch wenn man diese besondere Installation auch bei Tag sehen kann, empfehlen wir sie bei Dunkelheit zu besuchen, wenn die Augenpaare und Schrift ihre leuchtende Wirkung entfalten.

Weitere Informationen zur Künstlerin finden Sie hier.

 

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