Tag der Architektur – der Kompromiss zwischen Alt und Neu

Am 21. Juni 2017 gab es im Collini-Center einen architektonischen Rückblick auf das vergangene Jahr. Neben dem Star der Veranstaltung, dem Marchivum als künftigen Sitz des Stadtarchivs, fanden aber auch andere Gebäude aus Mannheim Eingang in den Vortrag.

Denkmalschutz, Architekt(en), Auftraggeber, Anwohner – je größer ein Bauprojekt, desto mehr Interessen gilt es zu beachten, zumal erscheint es erstaunlich, dass noch immer so viel gebaut wird. Vielleicht besteht hierin auch ein Stück weit die Begründung dieser alljährlichen Veranstaltung, dem Tag der Architektur.

Die Gemeinsamkeit aller Projekte ist die Frage nach der Vereinbarkeit von alt und neu, von ehemaligen und aktuellen Visionen, was Wohnen und Arbeiten braucht. Gut gelungen sei dies zum Beispiel beim früheren Vereinsheim des TSV Mannheim, das u.a. um einen Bau erweitert wurde, die neue Fassade hebt sich zwar in einem hellen Klinkerstein deutlich ab, andererseits haben beide Gebäude eine ähnliche Dachform.

Das frühere Vereinsheim des TSV Mannheim wurde um einen Bau erweitert. Foto: Andreas Schenk

Auch im Schloss, also der Universität Mannheim, wurde gebaut oder besser gesagt: ausgehöhlt. Der ehemalige Kohlenkeller, der durch Modernisierung schon lange nicht mehr gebraucht wird, wurde in ein Studien-und Konferenzzentrum der Mannheim Business School umgewandelt. Auf der Westseite des Schlosses fällt der Rasen nun zur Wand hin steil ab und mündet in den Eingang der neuen Räumlichkeiten.

Blick auf den ehemaligen Kohlenkeller des Schlosses, jetzt Studien- und Konferenzzentrum. Foto: Andreas Schenk

Dass Architektur auch politisch sein kann, zeigt das neu entstandene Quadriga Carée, dass sich aus der früheren Niederlassung der Gerling-Versicherung in Mannheim sowie dem ehemaligen Verwaltungsgebäude des Rheinischen Braunkohlensyndikats zusammensetzt. Die ursprünglichen Gebäude stehen unter Denkmalschutz und wurden 1923 und 1958 errichtet, jetzt wurden die alten Büroflächen zu hochwertigen Wohnungen. Umstritten ist das Projekt jedoch nicht wegen der architektonischen Umsetzung, sondern vielmehr wegen einer Skulptur von Arno Breker, die vor dem Gebäude verbleiben soll. Breker war unter dem Nazi-Regime als Künstler tätig und spielte u.a. in Kunstgremien eine bedeutende Rolle. Nach dem Krieg wurde er jedoch als Mitläufer eingestuft.

Der Neubau der Kunsthalle Mannheim. Foto: Andreas Schenk

Weniger aufgrund der Geschichte jedoch gleichermaßen umstritten ist die Umsetzung der Kunsthalle Mannheim, denn auch hier stellte sich die Herausforderung, eine Balance zwischen traditionsreicher Umgebung und Neubau zu finden. Die Lösung hierbei war weder eine farbliche oder formorientierte Anpassung, vielmehr scheint mit dem Neubau der Versuch verbunden zu sein, nicht herauszuragen – und das wortwörtlich. Denn das neue Heim für Gemälde und Kunstgegenstände ist kleiner als die anderen historischen Gebäude am Friedrichsplatz. Dennoch darf man auf den Innenraum der Kunsthalle gespannt sein, die mit beeindruckender Höhe aufwarten wird.

Mit dem Marchivum hat die Kunsthalle außerdem nicht nur die kubische Form, die damals wie heute als funktional empfunden wurde, sondern auch den Status eines städtischen Projektes gemeinsam. „Entschuldigen Sie bitte, wenn ich ein wenig voreingenommen bin“, meinte Herr Dr. Schenk bevor er sich den Unterschieden der beiden Projekte widmete. Der Ton hierbei machte klar, dass das Marchivum es durchaus mit der Kunsthalle aufnehmen kann, auch wenn der Standort Neckarstadt nicht so schön wie der Friedrichsplatz, dafür jedoch ebenfalls eine Investition und eine bewusste Entscheidung für die Zukunft sei.

Stadtbauschreiber Andreas Schenk. Foto: StadtA MA – ISG

Das hauseigene Bauprojekt, also das Marchivum nahm an diesem Abend den meisten Raum ein und die Gäste wurden durch die bisherigen Bauabschnitte, sowohl räumlich als auch zeitlich geführt. Hierbei schaffte es Jörg Deffner vom Planungsbüro Schmucker & Partner geschickt, „die vielen Probleme“ die aufgetreten sind, zu verschweigen, wie Dr. Popp schmunzelnd bemerkte. Jedoch beeindrucken die Zahlen und die Umsetzung des Projektes auch so, u.a. die Dicke der Wände von 1.40 m die zu durchtrennen je nach Länge Tage oder sogar Wochen dauern kann.

Dennoch sind die Umbauten in Mannheim vergleichsweise schnell vonstatten gegangen. Zu seiner Kollegin in Köln sage der Chef des Mannheimer Stadtarchivs, Herr Prof. Nieß immer: „Ihr seid fünf Jahr vor uns gestartet und werdet fünf Jahre nach uns landen“. Auch wenn der Einzug in das neue Heim erst für das nächste Jahr geplant ist, so sind die größeren Umbauten bereits abgeschlossen. Das Ziel „diesen bisher potthässlichen Teil [in der Neckarstadt-West] zu einem Ort zu machen, vor dem man sich nicht fürchten muss“, ist somit in greifbare Nähe gerückt.

Viele Zuhörer verfolgten die Bewertung des Baugeschehens in Mannheim. Foto: StadtA MA – ISG

Das Marchivum soll nicht nur durch die multimediale Ausstellung im Inneren für den Besucher attraktiv sein, sondern auch zur ästhetischen Aufwertung der Neckarstadt beitragen. Da der Besucherparkplatz sich hinter der Jungbuschbrücke, das Marchivum aber davor befinden wird, soll der Weg durch Licht und Graffiti-Kunst begleitet werden, mehr hierzu finden Sie in Kürze auf unserem Blog.

Insgesamt betont der Abend im Collini-Center den kontinuierlichen Wandel innerhalb einer Stadt und zeigt wie alte Gebäude immer wieder einen neuen Platz und eine neue Funktion finden können.

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