„Lost in Space“ – Relikte des Kalten Krieges in Rheinland-Pfalz

Vergessen Relikte des Kalten Krieges finden sich heute in ganz Deutschland. Doch unbeachtet bleiben sie in Rheinland-Pfalz nicht, wie die Ausstellung „Lost in Space 1 – Relikte des Kalten Krieges“ 2012 zeigte.

Der unauffällige Goßberg zwischen Feldern und Dörfern im Hunsrück erweckt heute nicht mehr den Eindruck militärischer Stärke. Doch unter der oberen Erdschicht verbirgt sich noch immer ein Relikt des kalten Krieges: der Goßbergbunker. Er entstand zwischen 1984 und 1987 als Atombunker und war Teil der von der US. Army geleiteten Raketenbasis Pydna, die unter dem Decknamen Wüschheim Air Station geführt wurde. Bereits Ende der 80er Jahre wurde das Gelände von den USA jedoch aufgegeben und der Bunker somit nie als solcher genutzt.

Dennoch wurde sein Bau vollständig beendet und so reicht er mit seinen drei Ebenen noch heute bis zu 30 Meter in die Tiefe. Von diesen drei Ebenen aus sollte die Raketenbasis Pydna geleitet werden.

Der Goßbergbunker ist heute ein Zeitzeuge eines vergangenen Konfliktes zwischen den USA und der UdSSR. Er scheint mit seinem militärischen Nutzen ein wenig verloren im heute beschaulichen Hunsrück.

Diesem Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart bei ehemaligen US-Standorten widmete sich 2012 die Ausstellung „Lost in Space 1 – Relikte des Kalten Krieges“. Das Docu Center Ramstein hielt darin gemeinsam mit den Fotografen Günther Wilhelm und Rüdiger Müller die Hinterlassenschaften des Kalten Krieges in Rheinland-Pfalz fest.

Der Blick in die Ausstellung zeigt die Fotografien von Günther Wilhelm und Rüdiger Müller. Foto: Dokumentations- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz

Der Blick in die Ausstellung zeigt die Fotografien von Günther Wilhelm und Rüdiger Müller. Foto: Dokumentations- und Ausstellungszentrum zur Geschichte der US-Amerikaner in Rheinland-Pfalz

Der Goßbergbunker selbst fand in der Ausstellung Erwähnung im Begleittext zur Wüschheim Air Station. Der künstlerische Blick richtete sich jedoch besonders auf verlassenen US-Gebäude der Sembach Air Base, der Pirmasenser Husterhöhe und der bereits genannten Wüschheim Air Station. Alle drei Gebiete waren bereits in den 30er Jahren von den Nationalsozialisten genutzt worden. Doch bereits in den 50er Jahren übernahmen die US-Amerikaner die Stützpunkte. Aufwendige Um- und Ausbauten machten sie zu wichtigen Standpunkten in Deutschland. Nach dem Ende des Kalten Krieges 1989 war ihre Zukunft jedoch unsicher. Viele Gebiete wurden, wie die Fotografien zeigten, dem Verfall überlassen und vergessen.

Der Verfall der zurückgelassenen Gebiete zeigt sich in deutlich in den ausgestellten Fotografien. Foto: Günther Wilhelm, Ludwigshafen

Der Verfall der zurückgelassenen Gebiete zeigt sich in deutlich in den ausgestellten Fotografien. Foto: Günther Wilhelm, Ludwigshafen

Doch nicht nur mit dem Verfall, sondern auch mit dem Aspekt der Konversion, also der Umnutzung von Gebäuden oder Gebieten, beschäftigte sich die Ausstellung. So wurde das Gebiet der Sembach Air Base aufgeteilt und dient heute unter anderem als Photovoltaikanlage oder Gewerbepark.

Auch die Pirmasenser Husterhöhe bietet heute keinen Truppen, sondern vielmehr Stundeten Platz, die an der 2000 eröffneten Fachhochschule ihren Studien nachgehen.

Die Pirmasenser Husterhöhe vor der Umnutzung. Foto: Günther Wilhelm, Ludwigshafen

Die Pirmasenser Husterhöhe vor der Umnutzung. Foto: Günther Wilhelm, Ludwigshafen

Einzig die Wüschheim Air Station wurde weiterhin militärisch genutzt. Zunächst wurde das Gelände an die Firma Aero Sea Group verkauft. Angeblich sollte der Goßbergbunker 1999/2000 als sicherer Lagerplatz für die Druckplatten der neuen Euro-Währung genutzt werden.

2005 wurde das gesamte Gelände schließlich vom nahegelegenen Bundeswehrstandort übernommen. Zivilisten haben dennoch einmal im Jahr die Möglichkeit das Gelände zu betreten. Dafür sollte jedoch ein gewisses Interesse an Elektronischer Musik bestehen, da nur der Kauf eines Tickets für das Festival „Nature One“ diesen Zugang ermöglicht.

Wer nun mehr über die US-Standorte in Rheinland-Pfalz erfahren möchte, kann das Docu Center Ramstein besuchen und die Relikte des Kalten Krieges in ausdrucksstarken Fotografien erleben.

Quellen:

„Lost in Space 1  – Relikte des Kalten Krieges“, hrsg. von: Dipl. Geogr. Michael Geib, Docu Center Ramstein. Verbandsgemeinde Ramstein-Miesenbach 2012. Online einsehbar unter: http://www.dc-ramstein.de/de/ausstellungen/89-lost-in-space

„Atombunker Goßberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-132609-20150720-2 (Abgerufen: 12. September 2016)

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