Bunker weltweit

Wie haben sich andere Länder in Europa und weltweit mit Bunkern geschützt? Julia Friedrich und Theresa Stärk vom Blog-Team haben recherchiert. Der Artikel ist etwas länger – aber lesenswert …

Die Anzahl an neuen Bunkerbauten nahm mit Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland stark zu. Doch nicht nur in Deutschland, sondern auch im restlichen Europa spiegelte sich die Angst vor einem erneuten Luftkrieg wieder und mit den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs blieben auch die Bunker. Über ganz Europa verteilt suchten Menschen aller Nationen Zuflucht und Schutz in den schweren Gemäuern der Bunkeranlagen.

Bunker in England

Gerade in den 1940er Jahren litt England sehr unter den deutschen Luftangriffen, auch weil es verhältnismäßig schnell zu erreichen war und eine ernste Gefahr darstellte. Um die Bevölkerung zu schützen, wurden unterschiedliche Maßnahmen ergriffen – ob U-Bahn Tunnel, Keller oder Luftschutzbunker, die Menschen suchten verzweifelt nach Schutz.

Krieg macht erfinderisch – eine Erfindung, auf die das zutrifft war der „Morrison shelter“ – offiziell Table Indoor Shelter, also Innentisch zum Schutz gennant. Tagsüber als Tisch genutzt und Nachts zum Schlafen. Foto: wikipedia

Ein Bunker, der ebenfalls für den Heimgebrauch gedacht war, wurde vom Sicherheitschef John Anderson persönlich entworfen, der sogen. „Anderson-Shelter“, für max. sechs Personen.

Ein sogen. „Anderson Shelter“ 2007, der nach dem Krieg als Stall genutzt wurde. Foto: Wikipedia

Mister Anderson achtete jedoch auf ausreichende Beinfreiheit, denn als er 1939 in London einen selbsterbauten Hinterhofbunker sah, fand er diesen spannend genug, um hineinzuklettern – und schaffte es aus eigener Kraft nicht mehr heraus. Er musste durch Mitglieder des lokalen Bombenschutzkommandos durch die 91x61cm große Öffnung befreit werden.

Mehr über die Londoner Bunker lesen Sie hier auf dem Blog.

Bunker in den USA

In der Triologie „der Hobbit“ ist die Rede von einem König unter dem Berge – im Falle der USA sind es ganze Städte die sich unter Bergen finden lassen – so zum Beispiel Mount Cheyenne, einer Bunkeranlage entstanden während des Kalten Krieges und 5 Stockwerke tief.

Eingang zum Cheyene Mountain Complex in den Rock Mountains auf der Südseite von Colorado Spings. Foto: Wikipedia

Hierzu wurden 700 000 Tonnen Gestein bewegt, die Anlage hat ein eigenes Kraftwerk, eine autonome Wasserversorgung und die Liste der Einrichtungen liest sich wie die einer Kleinstadt. Nicht nur die ärztliche Versorgung ist bestens ausgerüstet (sogar einen Zahnarzt gibt es), sondern auch Schwimmbad, Sauna und sogar Friseur waren vorhanden.

Erbaut wurde diese Anlage 1957 als Sitz der NORAD (North American Air Defense Command), eine militärische Kooperation zwischen den USA und Kanada um sich vor Angriffen der Sowjets zu schützen. Sämtliche Versorgungskanäle wie z.B. Luftschächte waren mit Sensoren ausgestattet, sodass sie bei Explosionen o.Ä. sofort automatisch geschlossen werden würden.

Der Indoor Pool in Cheyenne Mountain. Foto: Trip Advisor

Zwar sind die Krisenzeiten längst vorbei und auch die Besatzungszahlen gehen nicht mehr in die Hunderte; der Feind heißt heute Terrorismus und Nordkorea. Die Russen hingegen kamen 2005 zu Besuch und haben mit den Amerikanern Wodka getrunken. Dennoch bleibt weiterhin eine kleine Einsatztruppe vor Ort, für den Notfall – denn am 11. September 2001 wollte der Secret Service den Präsidenten eigentlich nach Mount Cheyenne schaffen.

Ebenfalls ein Bunker unter dem Berge ist in Mount Vernon zu finden. Dieser Ort hatte während des zweiten Weltkrieges eine Schlüsselrolle, da „90 Prozent der Ölversorgung“ für die Truppen hier produziert wurde.

Aber wie die Verantwortlichen vor Ort bemerken, scheint es das Schicksal Mount Vernons zu sein, übersehen zu werden. Obwohl heute kaum einer der Bewohner der Stadt von der Existenz des Bunkers wissen, gibt es ein jährliches Budget von 500 000 $, die allerdings fast vollständig in die Finanzierung eines privaten Krankenhauses fließen. Nur das Telefon und die Putzkräfte müssen noch finanziert werden.

Weltweite Bemühungen zum Schutz vor Luftangriffen 1941

Doch nicht nur in Europa, sondern weltweit war der Schutz vor Luftangriffen ein wichtiges Thema. International gab es im Jahr 1941 Bestrebungen zahlreicher Regierungen, ihre Bevölkerung vorzubereiten oder zu schützen.

So hat die Polizei von Toronto (Kanada) die Bevölkerung im Januar 1941 zum Ausbau ihrer Keller zu Luftschutzbunkern, oder zumindest zur Entrümpelung, aufgerufen. Ein Leitfaden zum Verhalten während eines Luftangriffs sei zudem in Arbeit.

Auch in Thailand liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Marine und Armee waren in Bereitschaft, in der Hauptstadt Bangkok wurden Bunker errichtet und es gab Pläne, Kinder und Frauen zu evakuieren. Gleichzeitig wurde im Radio verkündet, dass keine konkrete Gefahr bestehe, da kein Land Thailand feindlich gegenüberstehe.

Auch Neuseeland baute 1941 seine Luftschutzbunker massiv aus. Die Verantwortung lag bei lokalen Amtsträgern, die nach eigenem Ermessen Bunker bauten und Luftschutzteams rekrutieren durften und sollten.

Israel war schon einen Schritt weiter: In Tel Aviv (Israel) konnte ca. ein Drittel der Bevölkerung in privaten Bunkern, ein weiteres Drittel in staatlichen Luftschutzanlagen unterkommen, weitere Anlagen waren in Planung. Auch wenn Jerusalem hoffte, aufgrund seiner historischen Bedeutung nicht zum Ziel zu werden, gab es Planungen für Luftschutzanlagen, u.a. unter der berühmten Klagemauer. Allerdings gab es schon damals Diskussionen zur Wahrung der religiösen Integrität. So wurde diskutiert, ob die Bunker geteilt werden sollten, da es viele muslimische Frauen gibt, die nicht mit fremden Männern in einem Raum sein dürfen.

Japan hing all diesen Entwicklungen um vier Jahre hinterher, denn erst 1945 wurde ein umfassendes Programm zum Bau und zur Erweiterung bestehender Luftschutzanlagen beschlossen. Hierfür wurden Mittel im Wert von umgerechnet heute 16,2 Mio Euro zur Verfügung gestellt.

Bunker in Italien

Natürlich waren auch in anderen europäischen Ländern Bunker von Bedeutung, darunter Italien: Im Juni 1940 berichtete die New York Times erstaunt und ein wenig ungläubig über den Alltag in Rom. So sei zwar am Vorabend ein Leitfaden zum Verhalten während eines Luftangriffs veröffentlicht worden, jedoch sei die Umsetzung eher schwierig.

Der Weinkeller der wohlhabenden Familie Torlonia in Rom wurde 1940 schnell zu einem Bunker umgebaut. Nachdem Mussolini die Villa als Residenz übernahm, nutzte er den Bunker. Heute gehört er der Stadt Rom, die ihn für Touristen öffnet. Foto: Andrew Medichini/The Associated Press

Die Bürger wurden dazu aufgerufen, Gasmasken mit sich zu tragen – was keiner täte – und bei einem Luftangriff sofort einen Luftschutzbunker aufzusuchen – wovon es allerdings (noch) keine gäbe.

… und im Vatikan

Im Vatikan zeigte sich ein anderes Bild. Im März hieß es, der Bunker des Papstes solle bald fertiggestellt sein und schon jetzt seien alle Mitarbeiter des Vatikans mit einer Gasmaske ausgestattet worden. Zudem wurden weitere Bunkeranlagen gebaut und Pläne zur Bewachung der Museumsschätze ausgearbeitet.

Bereits zu diesem Zeitpunkt waren die Museen in ganz Rom geschlossen und viele alte und wertvolle Dokumente hinter dicken Türen verstaut worden. Ein Jahr später war der Krieg in Italien angekommen, doch auch hier gab es immer wieder freudige Neuigkeiten. So schrieb die napolitanische Tageszeitung Giornale d´Italia, dass während eines nächtlichen Luftangriffs drei Jungen in drei Luftschutzbunkern geboren wurden.

… das Bunkersystem Monte Soratte

Italien besitzt nicht ganz so viele Bunker wie beispielsweise Albanien. Hervorstechend ist jedoch das Bunkersystem Monte Soratte.

Teil der Anlage auf dem Monte Soratte in der Region Latium, 52 km nördlich von Rom entfernt. Foto: www.gosabina.com

Dieses wurde noch vor dem Zweiten Weltkrieg errichtet und sollte das militärische Führungszentrum Italiens werden. Jedoch wurde der noch nicht von den Alliierten eroberte Teil Italiens von den Deutschen besetzt und somit wurde auch die unterirdische Anlage des Bunkersystems von den Deutschen eingenommen. Nachdem die Alliierten Italien von der deutschen Besetzung befreite, musste die Wehrmacht Monte Soratte wieder verlassen. Lange Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Bunkersystem als Munitionslager, bis es schließlich ungenutzt in Vergessenheit geriet. Mittlerweile werden Führungen durch den Bunker angeboten und ein Teil der Anlage beherbergt das Institut für Geophysik und Vulkanologie (Istituto Nazionale di Geofisica e Vulcanologia).

Schweden

Auch wenn das Königreich Schweden während des Kalten Krieges seine Neutralitätspolitik wahrte, war das Land auf militärische Angriffe vorbereitet. Über das Staatsgebiet verteilt errichteten schwedische Ingenieure große Bunkeranlagen – so auch das Stollensystem Aerosom Göteburg, das in das Bergmassiv gesprengt wurde, um im Notfall eine militärische Kommandozentrale darin unterzubringen. Bis 2003 wurde die Existenz des Stollenbunkers geheim gehalten. 3 Jahre später endete schließlich die militärische Nutzung des riesigen Stollensystems.

Inzwischen dient das Aerosom Göteburg als Museum und Erlebniszentrum zum „Militärgeschichtlichen Erbe Schwedens“ (www.sfhm.se).Foto: Aerosom Göteburg

Der größte Bunkerkomplex des Landes ist jedoch mit etwa 40 Hektar die unterirdische Marinebasis in Musö. 1,5 Mio Tonnen Gestein wurde hierfür aus dem Berg gebrochen und gesprengt. Bis zu 30 Schiffe konnten hier Unterschlupf finden.

Tschechien

In der Tschechoslowakei wurden vor allem zusammen mit dem Bündnispartner Frankreich Bunkeranlagen errichtet, um auf Angriffe vorbereitet zu sein. Als die deutschen Streitkräfte 1938 ins Sudetenland einmarschierten, wurden nur noch wenige Verteidigungsanlagen errichtet, welche die Deutschen für ihre eigenen Zwecke nutzten. Ab circa 2000 wurden schließlich viele Bunkeranlagen Tschechiens zum privaten Verkauf angeboten. Die Spanne der Nutzungsmöglichkeiten reicht von Lagerhalle bis zu Spielplatz.

Russland

Schon gegen Ender der 20er Jahre wurde die sogenannte „Stalin-Linie“ an der westlichen Grenze der Sowjetunion errichtet, welche aus einer Reihe von Bunkerbauten bestand. Nach dem Bau von Maschinengewehr- und Geschützbunkern wurden ab den 50er Jahren vermehrt Bunker gebaut, die auch nuklearen Angriffen standhalten sollten. Einer der ersten Atombunker der Sowjetunion ist der Kommandobunker G0-42.

Blick in einen der Tunnel der GO-42, nahe der Station Taganskaja der Moskauer U-Bahn. Foto: Wikipedia

Dank eigener Elektrizitäts- und Trinkwasserversorgung sowie der großen Fläche von 2000 m² hätten 2500 Personen wochenlang in der Anlage überleben können. Seit 2006 fungiert es als Cold War Museum.

Albanien

Dieses Land, 1944 bis1985 vom stalinistischen Diktator Enver Hoxha regiert, zählt noch heute die meisten Bunkeranlagen. Mehr als 170.000 Bunker wurden unter dessen Regierung über ganze Land verteilt erbaut. Hierfür wurde extra die Betonindustrie Albanien ausgebaut. Jeder Albaner sollte im Falle einer Invasion in einem Bunker Platz finden können.

Pitoresk und fantastische Aussichten, so präsentieren sich die Bunker in Albanien. Foto: Von Elian Stefa, Gyler Mydyti – Concrete Mushrooms Project, CC BY-SA 3.0

Zu den drei Bautypen der Bunker gehörten Einmannsbunker, Bunker für vier Personen und größere Bunker für Artilleriegeschütze. Damit Kugeln besser abprallen konnten, erhielten die albanischen Bunker ihre typische runde Form mit halbkugelförmigem Dach. Mittlerweile werden die zahlreichen übers Land verstreuten Bunker als Restaurants, Bars, Viehstall oder als Liebesnest für Paare verwendet.

Hier ein ausführlicher Artikel auf dem Blog zu den Bunkern in Albanien. 

Polen

Ab 1940 wurde das „Führerhauptquartier Wolfsschanze“ erbaut, welches als Kommandozentrale für die Ausbreitung des Zweiten Weltkrieges im östlichen Raum fungieren sollte. Die Anlage besteht aus sieben massiven Hochbunkern, 40 verbunkerte Baracken, aber auch mehrere Wohn- und Verwaltungsgebäude zur sicheren Unterbringung Hitlers und seiner Gefolgschaft. Die Bunkeranlage ist täglich geöffnet und wird jährlich von mehr als 200.000 Touristen besucht.

Ruine von Hitlers Bunker in der Wolfsschanze. Foto: wikipedia

Weitere von den deutschen Nationalsozialisten errichtete Bunker sind die Eisenbahnbunker „“ und „Askania Süd“- Sie entstanden zur sicheren Unterbringung der Führersonderzüge zwischen 1940 und 1941. Letztlich kamen sie allerding für ihre geplante Funktion zum Einsatz, sondern wurden später nur als Munitionslager und Werkstatt genutzt. Wie die meisten Bunkeranlagen Polens dient es jetzt als rein militärisches Museum, das nur bedingt auf historische Hintergründe eingeht.

Fazit

Insgesamt ist der Blick auf die Bunkeranlagen weltweit überraschend: Luftschutzräume sind noch heute, mehr als siebzig Jahre nach Kriegsende als steinerne Zeugen des Krieges weltweit erhalten. Auch wenn die Welt schon immer geteilt war in Koalitionen, in Freunde, Feinde und neutrale Länder, so sind die Verteidigungs- und Schutzmechanismen doch relativ ähnlich.

Hierin besteht die Chance international voneinander zu lernen und diese Bauten zum Schutze von Menschen als Mahnmale zu nutzen, um die Erinnerung am Leben zu erhalten und in Zeiten internationaler Krisen zu warnen.

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