Frischluft für den Bunker

Nicht nur Wärme braucht der Mensch zum Arbeiten, sondern auch gute Luft. Und die Anlage für das Lüftungssystem ist im Marchivum äußerst beeindruckend.

Im Untergeschoss liegt die Zentrale für die gesamte Technik des Gebäudes: Von hier wird der gesamte Bunker versorgt: Wärme, Kälte, Strom, Wasser, Abwasser und die frische Luft in den Büro- und Ausstellungsräumen.

Blick auf einen Teil der Anlage für das Frischlufsystem im UG. Foto: StadtA MA – ISG

Silberfarben glänzend schlängeln sich die Blechkanäle für Zuluft und Abluft durch die rückwärtigen Räume im Untergeschoß und verschwinden hinter dem großen Aufzug in einen Schacht. Von dort werden alle Geschosse versorgt.

Da das Haus vier Lüftungsanlagen hat, gibt es auch einiges an Lüftungsrohren: Ein System versorgt das fünfte und sechste OG, in dem die Büros sind. Eine zweite Anlage versorgt die Archive im zweiten, dritten und vierten OG, hier wird z.B. die Luft noch zusätzlich befeuchtet.  Die dritte Anlage reguliert das Klima im Erdgeschoss und im ersten OG für die Ausstellungsflächen. Die vierte Anlage versorgt die Technikzentrale und die Werkräume im UG.

Eingang B: hier wird die frische Luft von außen angezogen. Foto: StadtA MA – ISG

Das ganze System funktioniert so: Frische Luft von außen wird über den alten Eingang B an der Bürgermeister-Fuchsstrasse angesaugt. Da diese Luft auch kalt und feucht ist und es in diesem Fall zu Korrosion kommen kann, sind die Lüftungsröhren mit einem hochflexiblen Schaumstoff auf Basis synthetischen Kautschuks isoliert, dessen Oberflächen silbern glänzen.

Dann geht die Luft durch mehrere Klimageräte durch die Blechkanäle. Ist die Luft zu kalt (im Winter) oder zu warm (im Sommer) wird sie durch Heiz- bzw. Kühlregister aufgewärmt oder abgekühlt. Die Wärme- u. Kälteenergie dafür kommt von umschaltbaren Wärmepumpen/ Kältemaschinen.

Blick auf Filterplatten im Inneren der Anlage. Foto StadtA MA – ISG

Die Wärme der Abluft, die aus den Räumen zurück in die Anlage kommt, wird über Plattenwärmetauscher in den Klimageräten zurückgewonnen und für die Erwärmung der Zuluft genutzt. Dann verlässt die sogenannte Fortluft über den ehemaligen Eingang A in der Fröhlichstraße den Bunker.

Erinnert an eine Waschmaschine, dient aber zur Kontrolle: Denn wenn die Anlage läuft, gibt es einen größeren Druck und man kann nicht einfach die Türen öffnen. Daher das „Bullauge“ um zu sehen, ob Schmutz in der Anlage ist und ob die Filter in Ordnung sind. Foto: StadtA MA – ISG

Da es vier unterschiedliche Systeme gibt, wurde auch einiges an Platz dafür benötigt.

Das war schon eine kleine Herausforderung, erzählt Michael Claren von der Firma UNITEC, die das Heiz- und Lüftungssystem geplant hat. Zwei Jahre dauerte die Planung von der ersten Idee bis zu den fertigen Einbauplänen. Normalerweise baut man bei einem neuen Gebäude das Haus um die Technikzentrale herum. Aber das war im Bunker eben nicht möglich, daher die vielen Rohre, um an den zentralen Versorgungsschacht zu kommen, der sich hinter dem großen Aufzug im ehemaligen Treppenhaus befindet.

Auch mussten im Untergeschoss die rückwärtigen Podeste herausgebrochen werden. Die ganzen Komponenten für die Anlage wurden mit dem Kran über den Schacht des ehemaligen Treppenhauses hineingehoben, bevor der Aufzug eingebaut wurde.

Lüstungsschlitze in den Decken (rechts): Hier geht die Luft in die Räume und wird auch wieder abgesaugt. Foto: StadtA MA – ISG

Zwei Firmen sind für die Ausführung Anlage zuständig: die Firma HTS GmbH aus Ludwigshafen (Lüftungs- und die Heizungsanalgen), sowie die Firma Morsch aus Heidelberg (Sanitäranlage).

Ich frage zum Abschluss, wie es für ihn war, in einem Bunker zu arbeiten: Klar beschäftigt man sich auch mit der Geschichte des Gebäudes, meint Michael Claren. Er habe sich auch den Film mit den Zeitzeugen angeschaut. Und das sind natürlich ganz andere Anforderungen als bei normalen Häusern. Allein die dicken Betonwände und –decken. Das ist nicht immer einfach, da die Rohrleitungen durchzubringen. Alles musste bei Baubeginn genau festgelegt sein, weil man in so einem Gebäude später nicht mal schnell nachjustieren kann ….

Beeindruckend auch die Zahlen für das verbaute Material: ca. 50 – 60 km Kabel, 1.800 m Stahlrohre für Heizen, 900 m Stahlrohre für Kühlen, 3.600 m² Blechkanäle für die Be- u. Entlüftung,  900 m Rundrohre für die Be- u. Entlüftung und 1.500 m² Heiz- u. Kühldecken.

Kommentare

  1. Beeindruckender Blick hinter die Kulissen, vielen Dank dafür. Man fragt sich immer warum der Umbau des Ochsenpferchbunkers so lange dauert, aber wenn man mal die ganze Technik im Hintergrund sieht, wird einem erst bewusst wie unendlich viel Arbeit in so einem Projekt steckt.

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