Firmenbunker in Mannheim

Auch die Firmen bauten Bunker zum Schutz ihrer Produktion und Arbeiter. Noch gibt es auf den Werksgeländen Mannheimer Firmen einige intakte Bunkeranlagen.

Bei den Firmenbunkern handelt es sich in der Regel um Hochbunker, die in der zweiten Welle des „Führer-Sofortprogramms“ entstanden. Sie sind das Ergebnis der Erkenntnis, die Angriffe alliierter Bomber auf deutsche Städte nicht wirksam verhindern zu können. Mannheim erfüllte die Bedingungen, um Teil dieses Luftschutzprogrammes zu werden: Die Einwohnerzahl lag über 100.000 Menschen.

Mit einem Industriehafen an Rhein und Neckar und dem Güterbahnhof war Mannheim ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt im deutschen Südwesten, und beheimatete u.a. mit Daimler-Benz kriegswichtige Industrie. Nicht zu verschweigen, dass die Stadt zusammen mit dem direkten Nachbarn Ludwigshafen und seiner Chemieindustrie ein kapitales Doppelziel im Fadenkreuz der alliierten Bomber-Flotte darstellte.

Zwangsarbeiter beim Ausschachten für den Bunker auf dem Gelände der Stahlwerke, ca. 1943. Foto: StadtA MA – ISG

Im Kriegsverlauf rückten Industrieanlagen immer mehr in den Fokus der Nationalsozialisten. Es galt, die rund um die Uhr in Schichten arbeitend Angestellten – die durch ihre Qualifikation einen hohen Wert in der Kriegsmaschinerie innehatten – vor den Bomben zu schützen.

Die Luftschutzbunker hatten strengen Maßnahmen gerecht zu werden, die nach Erkenntnissen der Technischen Hochschule Braunschweig aufgestellt wurden. Ein solcher Bunker sollte einem direkten Treffer einer 1.000-Kilo-Bombe widerstehen können und Schutz vor Giftgas bieten.

Bunker auf dem Gelände der Daimler-Benz AG – Waldhof

Ehemaliger Luftschutzbunker auf dem Gelände des heutigen EvoBus Werks Mannheim (unten rechts). Foto: Daimler-Benz.

Ein gutes Beispiel für einen solchen Werksbunker stellt der heute noch existierende Bunker auf dem Gelände des heutigen EvoBus Werks in  Waldhof dar. Er wurde in der  zweiten Welle des „Führer-Sofortprogramms“ für den Bunkerbau 1943 gebaut. Er ist ein Hochbunker mit fünf Etagen, davon eine unterirdisch. Das Gelände des Bunkers umfasste 2.450 qm, der noch heute direkt an die Teststrecke angrenzt. 16 m hoch, 46 m lang und 20 m breit wurden in ihm mit seinen 2 m dicken Außenwänden geschätzt  20.000 Tonnen Beton verarbeitet, was den materiellen Aufwand verdeutlicht, der mit so einem Bunkerbau einherging.

Die Fundamente für den Bunker auf dem Daimler-Gelände. Foto: Daimler Benz AG

Raumhöhe in jeder Etage war 2,7 m. Mit drei Hallen pro Etage bot dieser Bunker insgesamt 1.528 Personen Schutz, davon 269 Sitzplätze. Es bestand Anschluss an das örtliche Strom- und Wassernetz, womit der Betrieb der technischen Anlagen – bspw. der Pumpe zur Belüftung – gewährleistet war.

Eine knifflige Entscheidung war es, den Bunker mit Toilettenanlagen zu versehen. Durch einen Verzicht auf solche hätte man rund doppelt so vielen Menschen Obdach bieten können. Es wäre allerdings massiv zu Lasten der hygienischen Bedingungen für die Schutzsuchenden gekommen. Die Toiletten bewiesen sich später als notwendig, da die Zwangsarbeiter nach der Zerstörung ihrer Barracken auf dem Gelände – die ihre Behausungen zynisch als „Villa“ bezeichneten – für den restlichen Kriegsverlauf den Bunker „beziehen durften“.

Wer baute die Firmenbunker?

Das „Führer-Sofortprogramm“ wäre ohne die Ausbeutung der deportierten Zwangsarbeiter aus Osteuropa nicht realisierbar gewesen.

Holzgerüst mit Hakenkreuzfahne beim Bau des Bunkers auf dem Gelände der Firma Stahlwerk. Geplant wurde der Bunker 1942, gebaut 1943. Foto: StadtA MA – ISG

Vorhandene Akten zeigen, wie trocken und berechnend während der Bauplanung mit dem Thema „Zwangsarbeiter“ von Seiten der Verantwortlichen umgegangen wurde. So werden bspw. Bauunternehmer im Rahmen des Kostenvoranschlags des Werksbunker der Rheinau Stahlwerke AG darauf aufmerksam gemacht, dass aufgrund der geringeren Bezahlung von Zwangsarbeitern mit einer geringeren Leistung dieser zu rechnen sei – im Vergleich zu den tarifbezahlten Bauarbeitern – und das bei gleichen Abgaben für den Arbeitgeber. Allerdings sei dies mit „einigermaßen geschickter Menschenführung“ wieder ausgleichbar.

Nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 lebten viele dieser Zwangsarbeiter als Heimatlose – „Displaced Persons“  – weiter in den Bunkern. Entwurzelt in einem Europa, dessen alte Ordnung nun endgültig vergangen war.

Firmenbunker nach Kriegsende

Auch nach dem Kriegsende bestanden die Firmenbunker weiterhin. Der Luftschutzbunker in der Güterhallenstrasse – der zusammen mit den Bunkern des Bahnhofes Waldhof , Käfertal, Neckarau und Rheinau und des Mannheimer Rangierbahnhofes unter Verwaltung der Bundesbahn stand – wurde 1948 zum Kühlhaus „Merkur“ umgebaut.

Trauriges Überbleibsel des Bunkers heute am Ende der Güterhallenstraße im Mannheimer Mühlauhafen. Foto: S. Köhler

Aber nicht nur die wirtschaftliche Nutzung im Rahmen des bundesweiten Wirtschaftsaufschwungs prägte die Anlagen in der Industriestadt Mannheim.

Im Schatten der stetig wachsenden Spannungen mit der UdSSR verbunden mit der atomaren Bedrohung, wurden die noch vorhanden Luftschutzbunker ab 1958 ihrem ursprünglichen Zweck größtenteils wieder zugewiesen.

Das Bundesinnenministerium veranlasste einen Umbau und die Aufrüstung der Bunker im gesamten Bundesgebiet, wobei die Kostenfrage manchmal zu einem Streitpunkt wurde. Der Luftschutzbunker auf dem Daimler-Benz-Gelände war Eigentum der Firma. Zwar wurden die notwendigen Umbaumaßnahmen in der Regel von öffentlicher Seite getragen, Daimler-Benz forderte allerdings eine monatliche Miete für den Bunker, als Kompensation dafür, dass sie einen Teil ihres Geländes nicht nutzen konnte. Es kam zu einem Streit zwischen der Stadt Mannheim, der Oberfinanzdirektion Karlsruhe und der Daimler-Benz AG, der sich rund sechs Jahre hinzog. Hauptstreitpunkt war die genaue Fläche des Bunkergeländes, nach der die Höhe der Entschädigungssumme festgelegt werden sollte, die aber von jeder Partei anders bemessen wurde. 1969 endete der Streit abrupt.

Das Bundesfinanzministerium erklärte den Bunker offiziell zum Werksschutzbunker, womit der Konzern alle Ansprüche auf Kompensation verlor und die Kosten der Instandhaltung selbst zu tragen hatte. Ganz umsonst scheint der Aufwand nicht gewesen zu sein. Daimler-Benz nutzt noch heute den Bunker als Archiv und Lager.

Ehemaliger Immelmann-Bunker auf dem heutigen Roche-Gelände

Einen Unterschied stellt in vielerlei Hinsicht der Immelmann-Bunker dar. Gelegen in Waldhof an der Sandhofer Straße, auf dem damaligen Gelände der Zellstoff AG, war sein Standort zwar ein Werksgelände, allerdings war er kein Werksbunker im eigentlichen Sinne. Es handelte sich hierbei um einen Luftabwehr-Bunker in der sog. Dietel-Bauweise (einem Hersteller von Luftschutztürmen aus Düsseldorf).

Ein privater Schnapschuss von 1946 auf dem Waldhof. Im Hintergrund der Immelmannbunker. Foto: StadtA MA – ISG

Ihr Zweck war nicht der Schutz von Zivilpersonen, sondern die aktive Luftabwehr, wobei die Dietel-Bunker einem mittelalterlichen Burgturm gleich über Schießscharten verfügten, um den Nahbereich des Turms vor Angreifern zu schützen.

In der Regel hatten sie zehn Etagen, zwei davon unterirdisch, ausgestattet mit einem Kommandostand, Schlafunterkünfte für die Besatzung und Munitionslager. Diese Bunker wurden im Auftrag der Wehrmacht gebaut und waren wie Falle des Mannheimers Immelmann-Bunker unter Kommando der Luftwaffe. Daher auch die typische Bezeichnung, denn Max Immelmann war Fliegerass des Ersten Weltkrieges. Ähnliche Bunkertürme in der typischen pilzartigen Bauweise lassen sich heute noch in intaktem Zustand bspw. in Heilbronn oder Darmstadt finden.

Der Immelmann-Bunker stand nach Kriegsende teilweise auf dem Gelände der Fa. C.F. Böhringer & Söhne GmbH und wurde von der Wehrmachtsvermögensstelle Karlsruhe verwaltet. Im Rahmen der Demilitarisierung der deutschen Gebiete sollte auf Anweisung der amerikanischen Militärregierung der Turm gesprengt werden. Die Fa. Böhringer befürchtete allerdings Schäden an ihren anliegenden Gebäuden und bat die Stadt Mannheim, sich als Vermittler für die Interessen der Firma einzusetzen.

Die Alliierten verzichteten daraufhin auf eine vollständige Schleifung des Bunkers, die Kosten der Teilsprengung (damals noch 44.000 Reichsmark) musste aber die deutsche Seite übernehmen.

Der Abriss des Immelmann-Bunkers hatte für die Bewohner Mannheims eine gute Seite. So wurden Teile der Einrichtung an „Fliegergeschädigte“ abgegeben, entweder direkt an Privatpersonen oder wohltätige Organisationen wie dem Caritas-Verband Mannheim. Es handelte sich um Möbel und gusseiserne Bettgestelle. Der Fußballverein SV Waldhof 07 erhielt bspw. einen Konferenztisch für sein Vereinsheim.

Kommentare

  1. War das Kühlhaus Merkur nicht bei der Jungbuschbrücke?
    Aber vielleicht täusche ich mich da auch. Vielleicht könnt Ihr für Klarheit sorgen?
    Vielen Dank und noch mehr Grüße,
    Günter Leischner

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