Fallout Shelter – Überleben im Bunker als Handyspiel

Überleben nach dem Atomkrieg im Bunker via Mobile Game auf dem Handy – Sven Kaulbarsch hat sich das genauer angeschaut und bewertet.

Ob im Bonner Regierungsbunker oder dem Dortmunder Sonnenbunker: Zur Zeit des Kalten Krieges simulierte die Bundesrepublik Deutschland, für den Fall eines Atomkrieges, den Lebensalltag  in den Zufluchtsstätten. Im Zeitalter des Smartphone kann dies heute jeder selbst ausprobieren, wobei der Name des Spiels Programm ist: Fallout Shelter  – Atomschutzbunker.

Allerdings darf man dabei die Frage nach Realitätsnähe nicht so genau stellen.

Das kostenlose Mobil Game ist ein Ableger der Action-Rollenspiel-Reihe Fallout. 2015 vom  Software-Unternehmen Bethesda veröffentlicht, diente es eigentlich als Werbemaßnahme für den vierten Teil der Fallout Serie. Die Simulation spielt in einer dystopischen Zukunft, deren Grundlage eine kontrafaktische Entwicklung der Menschheitsgeschichte bildet.

Mit Optimismus in die Apokalypse: Erstaunlich gelassene Bürger betreten, beobachtet von dem Fallout Boy, den Atomschutzbunker. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Geschichte wird einfach mal umgeschrieben

Im Spiel kommt es nicht zu einer Entspannung des Kalten Krieges, sondern dieser dauert bis zum Ende des 21. Jahrhunderts an. Die  Nationen der Welt, allen voran die USA, betreiben ein atomares und ausuferndes Wettrüsten und verfolgen obsessiv die Erforschung der Atomkraft. Die Weltwirtschaft beutet die fossilen Ressourcen der Erde aus. Militär, Luft- und Raumfahrt befinden sich auf einem hohen Niveau. Aber alle anderen gesellschaftlichen Bereiche blieben auf dem Stand der 1950er Jahre.

Retrogaumenschmaus: Ein Bunkerrestaurant mit futuristischen sowie Elementen aus den 1950er Jahren. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Dieses erdachte historische Umfeld führt zu Verteilungskämpfen und Annexionen unter den einzelnen Staaten der Weltgemeinschaft und mündet am 23. Oktober 2077 in einen zweistündigen Atomkrieg, der die Erde verwüstet und den Großteil der Weltbevölkerung vernichtet.

Die Rolle des Spielers

In dieser postapokalyptischen Welt übernimmt nun der Spieler die Rolle eines anonymen VAULT-Tech-Bunkerwarts, dessen offizielle Berufsbezeichnung Aufseher lautet. Ziel des Aufsehers ist es, den Bunkerkomplex zu erweitern und für das Wohlbefinden der Bunkerinsassen zu sorgen.

Die Schaltzentrale im Bunker – Der Raum des Aufsehers veranschaulicht die skurril anmutende Technologie im Fallout Universum. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Dies kann er u.a. durch den Bau von Wasseraufbereitungsanlagen, Restaurants sowie durch Elektrizitätskraftwerke, um  die Grundbedürfnisse des Menschen im Bunker sicherzustellen. Fitnessräume, Lounges oder Spielhallen bieten einen Zeitvertreib für die Bunkerbewohner. Entsprechend der Begabung der einzelnen Bewohner lassen sich verschiedene Arbeitstätigkeiten für die Bewohner finden und diese können dadurch ihre Stärken ausbauen.

Übersicht über die SPECIAL-Fähigkeiten des Bewohners Albert Webster. Arbeit, Quests oder Kostüme wirken sich positiv auf die Entwicklung der Charaktere aus. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Um die einzelnen Räume und deren Möglichkeiten im Spiel freizuschalten, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt sein. Der Spieler braucht eine gewisse Anzahl an Kronkorken (die offizielle Währung in der apokalyptischen Fallout-Welt) oder die Anzahl der Bewohner im Bunker muss sich erhöhen, in dem der Spieler Paare bildet (!) oder über den Bau einer Radiostation mit den Überlebenden aus anderen Bunkern Kontakt aufnimmt.

Heldentaten erbringen –  Quests

Neben der Bewältigung der Herausforderungen des Bunkeralltags können die Bewohner auch so genannte Quests erfüllen. Die aus der Artusepik stammenden Quests sind Abenteuer, bei denen der Held verschiedene Aufgaben löst und Feinde besiegt, um zu Ruhm und Ehre zu erlangen.

Eine Suche in postapokalyptischen Ruinen – Der Beginn einer Quest im Ödland. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Im Spiel erkunden dafür die Bunkerbewohner alleine das Ödland oder erfüllen in Gruppen gemeinsame  Missionen. Auch im Bunker selbst können verschiedene Quests erfüllt werden, etwa bei der Verteidigung gegen mutierte Tiere oder raubplündernden Banden. Quests sind täglich als auch wöchentlich immer wieder neu.

Quests bieten darüber den Vorteil, Kronkorken, Waffen oder Gegenstände zu sammeln, die den weiteren Spielverlauf erheblich erleichtern..

Raider starten einen Angriff auf den Bunker. Die grafische Darstellung des verwüsteten Ödlands sowie der Raider erinnern an die legendären Mad Max Filme. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Rezeption des Spiels

Eigentlich als Marketingmaßnahme für Fallout 4 gedacht, wurde das Spiel ein Renner. Bereits kurz nach seiner Veröffentlichung war das Spiel der am meist heruntergeladene Titel im  App-Store von Apple. Über In-App-Käufe verzeichnete die Firma Bethesda in den ersten zwei Wochen zudem einen Umsatz von über 5,1  Millionen Dollar und belegte den dritten Platz der umsatzstärksten Mobile-Games.  Im September 2017 verzeichnete das Spiel über  100 Millionen Downloads und 385.967.722 Stunden Nutzung durch dessen Spieler.

Auf die 2015 zunächst exklusiv nur für I-Phone-Besitzer spielbare Version folgte noch im gleichen Jahr die Ausgabe für Android-Besitzer. Inzwischen ist das Spiel auch für PC und Xbox One erhältlich.

Fazit

Zwei Kritikpunkte gibt es an dem Spiel. Obwohl als kostenfreie Play-for-free-App  angedacht, gibt es diverse In-App-Käufe, die einem das Überleben im Fallout-Universum erleichtern. Aber auch ohne In-App-Käufe lässt sich ein Spielfortschritt erreichen.

Product Placement oder Kreativität?: Eine Nuka-Cola-Fabrik, die ab 100 Bunkerbewohnern gebaut werden kann. Der Bau der Fabrik befriedigt das Bedürfnis nach Nahrung und Flüssigkeit der Insassen, stellt allerdings keine Nuka-Cola-Flaschen für Quests her. Screenshot: Sven Kaulbarsch

Der zweite Kritikpunkt betrifft den Realitätsgehalt des Spieles: das Wiederbeleben verstorbener Bunkerbewohner oder die Suche nach Nahrung im atomar verwüsteten Ödland wirken doch sehr strange. Und manches ist inhaltlich nicht ganz durchdacht, etwa dass die Welt durch einen Atomkrieg zerstört ist, die Energieversorgung des eigenen Bunkers jedoch über ein internes Atomkraftwerk erfolgt.

Aus meiner Sicht versteht sich Fallout Shelter auch als Persiflage der amerikanischen Gesellschaft in den 1950er Jahren. Damals glaubten US-Wissenschaftler, dass der Atomtechnologie die Zukunft gehöre und betrachteten sie als Lösung für die Probleme der Menschheit. Der Anpreisung der zivilen Nutzung der Kernenergie stand zeitgleich jedoch die militärische Bedrohung durch Atombomben gegenüber.

Und gerade dieses Spannungsverhältnis karikiert Fallout Shelter auf subtile Art durch den Atomreaktor im Bunkerkomplex. Ebenso verhält es sich mit der futuristisch anmutenden Waffentechnologie sowie den mutierten Lebewesen im Fallout-Universum. Diese stellen eine Hommage an die legendären Werke von US-Science-Fiction-Autoren der 1950er Jahre, wie zum Beispiel Phillip K. Dick, dar.

Alles in allem überzeugt Fallout Shelter  inhaltlich als auch durch die für ein Mobile Game sehenswerte Grafik .

Postapokalyptische Impressionen: Ein grafisch sehenswerter Sonnenuntergang über dem Ödland. Auch der Tageswechsel zählt zu den Besonderheiten des Spiels: Screenshot: Sven Kaulbarsch

Weitere Infos zum Spiel:

https://en.wikipedia.org/wiki/Fallout_Shelter

http://www.computerbild.de/artikel/cbs-News-PC-Fallout-Shelter-Bethesda-feiert-100-Millionen-Downloads-18998747.html

 

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