Mit dem Aufzug durch das MARCHIVUM- Eindrücke vom Tag der offenen Tür

13.000 begeisterte Besucher waren gestern zum Tag der offenen Tür im MARCHIVUM. Leon Igel hat sich umgeschaut und mit den Besuchern gesprochen.

Lange Schlangen bilden sich vor den Aufzügen im Eingangsbereich des neuen MARCHIVUM. „Zum Treppenhaus geht es dort links entlang“, sagt Mitarbeiterin Susanne Vogt zu einer Besuchergruppe vor dem Aufzug. Zum Tag der offenen Tür hatte das MARCHIVUM am Sonntag, 18. März, anlässlich seiner feierlichen Neueröffnung geladen und die Besucher kamen in Strömen. „Wir hätten nicht damit gerechnet, dass heute so viel Andrang ist“, sagt Vogt, die an diesem Eröffnungstag die Besucher begrüßt.

Foto: Leon Igel

3.000 Menschen seien in den ersten drei Stunden bereits gekommen, schätzt sie, noch über 10.000 Menschen werden bis zum Abend an ihr vorbeikommen. „Anstrengend ist das, aber es macht Spaß zu sehen, wie viel Interesse die Menschen an unserem neuen Gebäude und an unserer Arbeit haben!“ Ob die Melange aus alter und neuer Architektur im ehemaligen Weltkriegsbunker, die großen Ausstellungsflächen oder Vortrags- und Lesesaal im sechsten Stock mit Panorama-Blick über Mannheim, zu entdecken gibt es im neuen Gebäude viel. „Möchten Sie noch mit hochfahren?“; fragt Vogt im Erdgeschoss. Dann schließen sich die Aufzugstüren.

Panorama-Blick über Mannheim

Jeder zückt bei der Aussicht sein Handy und fotografiert. Foto: Leon Igel

„Ich wusste gar nicht, dass man so einfach ins Archiv gehen kann“, sagt Kai Appler, der sich gemeinsam mit seiner Frau im Lesesaal im sechsten Obergeschoss an einem Computer Videos von Mannheim während des Zweiten Weltkrieges anschaut. Auch hier ist es voll mit Menschen, neugierig schauen die Besucher in den Regalen und auf den Computern in die bereitgestellten Quellen. „Als gebürtiger Mannheimer liebe ich alles rund um die Stadt. Hier im Archiv gibt es eine Vielfalt an Material, ich könnte Wochen hier verbringen“, sagt Appler begeistert.

Im Benutzersaal war es immer voll. Viele Besucher nutzen das Angebot in den alten Adressbüchern zu blättern. Foto: Leon Igel

Wenige Meter neben ihnen steht MARCHIVUM-Mitarbeiterin Dr. Anja Gillen an der Benutzertheke des Lesesaals und beantwortet die zahlreichen Fragen der Besucher, die ähnlich wie das Ehepaar Appler Archive sonst nur von außen kennen. „Können Sie mir auf die Stunde genau sagen, wann ein amerikanischer Panzer damals am Bunkereingang stand?“, fragt ein alter Mann Gillen. Er selbst sei damals im Bunker gesessen, und möchte gerne wissen, wann dieses Ereignis aus seiner Erinnerung stattgefunden habe. „Nein, leider nicht, aber wir können die Literatur betrachten“, sagt Gillen und gibt dem Mann ihre Kontaktdaten zwecks einer Terminvereinbarung für ein Stöbern im Ruhigen.

Viele Zeitzeugen zu Gast

„Dass Zeitzeugen zu uns kommen, haben wir oft“, sagt Gillen. Sie erzählt da von einer alten Dame bei einer Führung durch den Bunker vor einiger Zeit und der Beklemmung dieser Zeitzeugin. Erst langsam habe sich die Dame daran gewöhnt, dass das MARCHIVUM kein Luftschutzort mehr, sondern Archiv sei. Der Geschichte des Gebäudes seien sich alle Archiv-Mitarbeiter bewusst. „Das ist natürlich ein Thema, und ich finde es toll, dass wir dieses Thema vermitteln können“, sagt Gillen. Mit dem historischen Bunkergebäude, den zahlreichen Archiv-Quellen und den Zeitzeugen sowie den dokumentierten Zeitzeugengesprächen biete das MARCHIVUM dafür beste Möglichkeiten: „Das sind drei Säulen, um Geschichte hier aufzuarbeiten.“

Die Fotoausstellung im EG war immer voll. Foto: Leon Igel

Ein Ort der Geschichte ist der Ochsenpferchbunker und ein Ort voller Geschichte ist das Stadtarchiv, vereint zum neuen MARCHIVUM. Auch geöffnet an diesem Tag der offenen Tür ist unter wachsamen Augen des Personals das sonst geschlossene Magazin im dritten Obergeschoss. Akten über Akten türmen sich dort in verschiebbaren Metallregalen. Wer jedoch Handgeschriebenes vom Kurfürsten erwartet, wird enttäuscht, denn Papiere des Sport- und Bäderamtes oder des Kulturamtes lagern dort im dritten Stock. Doch auch dies gehört zur Stadtgeschichte, und diese zu archivieren ist Aufgabe des MARCHIVUM. Und so begutachten die vielen Besucher fasziniert die langen Regalreihen im Bunkerinneren.

Viele Zuschauer auch bei dem Zeitzeugenfilm über den Hochbunker. Foto: k. Schwab / MARCHIVUM.

Sensationeller Zuspruch

„Selbst ich als Optimist hätte diesen sensationellen Zuspruch nicht erwartet“, sagt der Leiter MARCHIVUM-Prof. Dr. Ulrich Nieß. Er steht vor seinem neuen Büro im sechsten Obergeschoss und blickt durch die riesige Fensterfront auf Mannheim. „Am meisten freue ich mich auf den Anblick von meinem neuen Arbeitsplatz“, sagt er und ergänzt lächelnd: „Viel Luft und Sonne habe ich dort.“ Derweil steht Susanne Vogt im Erdgeschoss am Aufzug und begrüßt und verabschiedet die vielen Besucher. Als der Aufzug von oben seine Türen öffnet und die Menschen nach draußen entlässt, sagt sie lächelnd: „Auf Wiedersehen und bis zum nächsten Mal!“

Kommentare

  1. Die Bilder wie auch der Bericht zeigen, dass es eine gut organisierte und von der Bevölkerung toll angenommene Veranstaltung war.
    Ich selbst habe mich so auf den 18. gefreut und darauf hingefiebert, bis die Grippe mich dahingerafft hat und ich dieses einmalige Erlebnis nicht „miterleben“ dürfte.
    Ich wünsche Ihnen allen ein gutes Gelingen der bevorstehenden Aufgaben.
    MfG F.Lenhardt

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